Parallel einher wirkten sich schon die "Aura-Strahlen" des Condon-Report aus und lähmten für einige Jahre das öffentliche Interesse an UFOs. Der Weltraum war uns näher gekommen und der Condon-Report hatte die UFOs quasi heimgeschickt, Keyhoes NICAP brach alsbald zusammen, auch wenn in dieser Zeit schon die ersten ufologischen Opportunisten Gerüchte über UFO-Sichtungen von Astro- und Kosmonauten im Erdorbit in Umlauf brachten. Psychologisch ist es schon bemerkenswert, wenn wir hier plausibel und nachvollziehbar feststellen, dass der Traum von der irdischen Weltraumfahrt und die Konzeption über außerirdische Weltraumbesucher in Fliegenden Untertassen fast zeitgleich an den Start gingen, um im Herzen der Menschen Einzug zu halten. Unerwartete Realität wurde dagegen, dass der Mensch ferne Welten plötzlich erkundete - während die Alien-Idee weiterhin im luftleeren Raum der Beweisnot schwebt. Erwachsene um 1969 hätten in ihrer Kindheit nie erwartet, persönlich diese dynamische Entwicklung der Weltraum-Exploration erfahren zu dürfen, während die Kinder von damals selbst in nächster Zukunft schon die Landung der Außerirdischen auf der Erde sich herbeisehnten. Für die einen wurde SF zur Wirklichkeit und für die Jüngeren blieb nur die Verlockung und die Neugier auf die Zukunft als Versprechung übrig. Damit war auch das Ende der Kontaktler-Ära eingeläutet, also jener Menschen die für uns von vorher in Fliegenden Untertassen zu anderen Welten aufgebrochen waren und zu Höhenflügen angesetzt hatten. Nun war das größe Ereignis und größte Abenteuer der Menschen real erlebt worden - eines welches kaum mehr für diese und darauffolgende Generationen zu toppen ist. Nun hatte auch hier die Realität die Untertassen eingeholt. Berühmt wurde übrigens jenes Bild, welches Armstrong von seinem Kollegen Edwin "Buzz" Aldrin vor der Mondlandefähre Adler aufnahm und bei dem sich in Aldrins Helm die Mondlandschaft, die Landefährte und daneben Neil Armstrong spiegeln. Da stand Aldrin mit beiden Beinen fest auf der Mondoberfläche, bereit zur Erkundung der fremden Welt. Und in seinem Helm spiegelt sich der unglaublichste Moment der Menschheitsgeschichte. Was denkt sich einer, der in diesem epochalen Augenblick auf dem Mond fotografiert wird? Aldrin hinterher: "Neil mag der erste Mann auf dem Mond gewesen sein, aber ich war der Erste, der auf dem Mond in die Hosen machte. Natürlich war ich an einen Urin-Auffangbehälter angeschlossen, aber es war trotzdem ein einmaliges Gefühl. Die ganze Welt sah zu, doch ich war der Einzige, der wußte, was sie wirklich miterlebten." 

Tatsächlich saßen mindestens 500 Millionen Menschen vor den Bildschirmen, als die beiden die amerikanische Flagge aufstellten, die natürlich mangels Wind nicht flattern konnte und deswegen von Drähten gespannt, fixiert und aufrechterhalten wurde. 21 Stunden und 37 Minuten hatte der Mondaufenthalt gedauert, 21 Kilo Mondgestein war die Ausbeute - und Abfälle im Wert von über einer Millionen Dollar hatten sie zurückgelassen. Das mitgebrachte Mondgestein roch nach Schießpulver und war mehr wert als Gold. Wir konnten die Männer im Mond sehen - es war real und doch irgendwie unwirklich. Wir sahen, dass diese fremde Welt grau und unwirtlich ist. Und den Stein der Weisen brachten die wackeren Helden auch nicht mit, nur Staub und Geröll. Zurück ließen sie an der Mondlander-Einrichtung, die gleichzeitig als Startvorrichtung für die Rückflugkapsel diente, eine Gedenkplakette, die aus dem späteren Film "Indepencve Day" von Roland Emmerich (1996) aus der Anfangssequenz allen wieder bewußt wurde. Hier sind die beiden Hälften der Erdkugel abgebildet und darunter die Worte "Here Men From The Planet Earth First Set Foot Upon The Moon - July 1969, A.D. - We Came in Peace For All Mankind". Die Plakette war unterschrieben von den drei Astronauten, zudem noch von US-Präsident Nixon. Auch bei anderen Missionen wurden solche Hinterlassenschaften entsprechend berücksich tigt. In Silikon eingelassen war bei Apollo 11 auch der so genannte "Rosetta-Stone" als eine Art Mini-Zeitkapsel zurückgelassen in der sich eine versilberte Aluminiumfolie befand, auf der mittels eines elektrolytischen Mikro-Verfahrens die Botschaften von 74 Staatsoberhäuptern der Welt in der jeweiligen Landessprache, ein Auszug des Gesetzes der USA über Luft- und Raumfahrt sowie eine Liste mit den Namen aller Offiziere der NASA eingelassen war. Damit sollten etwaige künftige Generationen an die erste Mondfahrt erinnert werden, obwohl m.E. nach dies gar nicht notwendig ist, da dieses unvergleichliche Abenteuer unvergessen bleiben wird. 24. Juli 1969: Zurück auf der Erde wurde die Crew von Apollo 11 zunächst schon an Bord des Flugzeugträgers USS Hornet für 14 Tage in Mond-Quarantäne gesteckt, um sich zu versichern, dass die Mondmänner keine außerirdischen Viren oder Bakterien mit einschleppen. Doch der Mond erwies sich als völlig toter kosmischer Klumpen, dort gab es nie Leben und damit auch keine Verseuchungsgefahr durch außerirdische Keime für den Menschen. Armstrong, Aldrin und Collins wurden erwartungsgemäß zu Nationalhelden, der Ruhm brach über sie herein. Für Neil Armstrong war dies unerträglich, da er als hochsensibler Mensch schon bei Reden vor größeren Veranstaltungen errötete - und nun war er ein nationales Denkmal. Mehr als einmal stand im blankes Entsetzen auf dem Gesicht, wenn er bei diesen Jubelfeierlichkeiten von Menschenmassen eingekesselt war - kein Wunder also, wenn er sich später völlig aus der Öffentlichkeit zurückzog und lieber einen Lehrauftrag an der Universität von Cincinnati annahm. Später sollte seine Ehe scheidern, weil er den Trubel nicht mehr ertrug während seine Frau gerne im Mittelpunkt stehen wollte. Auch Aldrin bekam Eheprobleme und versank in Depressionen und griff zum Alkohol. 

Eiskalte Risikopiloten scheiterten seelisch am "Bleichen Gesellen" obwohl sie den größten Triumph aller Zeiten für sich verbuchen konnten. Armstrong wurde später einmal gefragt, was er darüber denke, dass für ewige Zeiten auf dem Mond sein Fußabdruck zu sehen sein werden. Seine Antwort: "Ich hoffe, es kommt einer und kehrt ihn weg." Der Fluch des Mondes? Collins war der Fels in der Brandung und kam ohne die "Mond-Depression" durch, wahrscheinlich deswegen, weil er der "Vergessene" auf dieser historischen Mission gewesen war und nicht im Blickpunkt stand. Übrigens wurde er dann Leiter des berühmten Smithsonian-Museums für Luft- und Raumfahrt in Washington. Keiner der drei von Apollo 11 kehrte jemals in den Weltraum zurück. Die Konfetti-Jubel-Parade in New York City ihnen zu Ehren sprengte alle bisher dagewesenen Rekorde, die amerikanische Nation war stolz auf seine Jungs - und auch die meisten Erdenbürger sahen in ihnen "unsere Männer vom Mond". Hatte jemals die Erdenmenschheit in dieser Art und Weise über drei Vertreter eines anderen Staates so gedacht? Für kurze Zeit herrschte auf jeden Fall soetwas wie ein "terranischer Gedanke" vor. Wernher von Braun erlebte dabei ebenso seinen Tag des größten Triumphs, auf Schultern wurde er durch die Straßen getragen. Jener Deutsche, der wie besessen daran gearbeitet hatte, die Rakete zum Fliegen und zu den Sternenräumen zu bringen... Allerdings sorgten neue sowjetische Aktivitäten in diesen Tagen für etwas Unruhe. Drei Tage vor Apollo 11 wurde die unbemannte Sonde Luna 15 an der Spitze der Proton-Rakete zum Mond geschickt, um weich auf ihm zu landen. Vermutungen wurden laut, dass die Sonde automatisch Mondproben sammeln und noch vor den Apollo-11-Astronauten auf die Erde zurückbringen sollte. Doch noch während der "Adler" auf dem Mond stand, zerschellte Luna 15 beim Landeversuch und nach 52 Mondumläufen, sinnigerweise im "Meer der Krisen" (erst ein Jahr später sollte Lunar 16 erfolgreich sein und ein paar Kilo Mondstaub zur Erde zurückbringen). 21 Stunden und 36 Minuten nach der Landung des Adlers auf dem Mond erfolgte der Rückstart mit der Oberstufe der Mondfähre zum Mutterschiff, und am 24. uli landete die Apollo-11-Kapsel sicher im Pazifik, brachte die Mondmänner zurück. Jene die Frau Luna erobert hatten und keimfreies Mondgestein mitbrachten, welches wertvoller als Juwelen war. Das größte technische Abenteuer der Menschheit ging glücklich zu Ende und die Begehung des Mondes sorgte für einen Paradigmen-Wechsel. Das Bild des Menschen, welches er von sich und der Erde hatte war damit endgültig umgeworfen: Aus der Erde, die so lange für uns das Zentrum des Universums war, wurde eine kleine blaue Kugel, die irgendwo im Kosmos schwebt und die schönste aller (bekannten) Welten ist. Der faszinierende Blick vom Mond aus zurück zur Erde erwies sich als der auf ein lebendiges, kostbares Juwel. So paradox es vielleicht klingen mag, aber mit der omnipotenten Umsetzung des Mondflugs wurde uns beim Blick auf des blaue-weißen Erdballs von dort oben auch klar, wie fragil unsere Heimat und wir doch sind. Die Eroberung des Mondes hat uns unsere eigene Endlichkeit vor Augen geführt und das "walking on the moon" bewirkte vielleicht hier auf Erden mehr als man heute vielleicht denkt. Wir haben die Linie des Horizontes verloren, aber die Krümmung der Erde gewonnen. Die Erde hat nun keinen Horizont mehr, sondern erscheint als abgeschlossener Raum in unserem Verständnis. Werden wir uns nun dort einschließen, oder werden wir einen Raum darüber hinaus erobern...? Wie auch immer, viele Astronauten sprachen davon, da sie während ihrer Flüge zu Weltbürgern wurden und sich für die Ökologie des blauen Planeten einzusetzen begannen. 

Die Raumfahrt, die Mondlandung sowie das Medium Fernsehen und nicht das Internet lehrte uns bereits global zu denken, weil vom Mond aus die Erde ein globales Dorf ist. Dieser Impact in die Kosmologie des Menschen ist vielleicht das wertvollste Stück, dass die Mondmänner mit zurück zum Planeten Erde brachten. Sie mußten viele hunderttausend Kilometer hinaus um uns die Schönheit und Einmaligkeit von Mutter Erde zu vermitteln... Seitdem sehen wir uns und das sein Sein im Kosmos mit anderen Augen. Es war soetwas wie ein neuer "kopernikanischer Schock" gewesen. Mit der Apollo 11-Mission begann für die Menschheit die Eroberung des Weltalls, auch wenn Menschen selbst seither nie weiter hinausflogen. Noch im selben Jahr (November 1969) erfolgte mit Apollo 12 (Crew: Charles Conrad, Alan Bean, Richard Gordon) die zweite Mondlandung im "Ozean der Stürme" nahe dem Krater Landsberg und in unmittelbarer Nähe (200 Meter entfernt!) der zweieinhalb Jahre zuvor dort gelandeten Surveyor 3-Mondsonde (die 1967 die ersten Bilder direkt von der Mondoberfläche übertragen hatte), die Conrad und Bean auch besuchten. Ihr Auftrag: Montiert Teile davon ab und bringt sie nach Hause zurück, damit wir sehen können wie 2 1/2 Jahre intensive und ungeschützte Sonneneinstrahlung sich auf das Material auswirkte, auch unter den natürlichen Temperaturschwankungen zwischen 250 Grad Minus und 250 Grad Plus auf der Mondoberfläche bei "Tag" und "Nacht". Mit einem Bolzenschneider trennte kurzerhand einer die Kamera der Sonde ab, im Lockbuch als "technische Demontage" bezeichnet. Wegen eines "Schadens" (in Wirklichkeit hatte Bean zu grob an der Kamera bei ihrer Installation 'handiert' als er mit einem Hammer draufschlug um ihr Stativ in den Mondboden zu rammen) an der Apollo-12-Kamera fiel die TV-Direktübertragung von der Mondoberfläche aber diesmal aus - infolgedessen ging auch das öffentliche Interesse zurück. Trotzdem, die beiden Mondbegeher hatten ein volles wissenschaftliches Programm und hatten zig Instrumente rund um die Mondlandefähre aufzubauen. Auf der Erde zurück fand man dann im Mondlabor etwas erstaunliches - in der Schutzverpackung der Kamera fand man völlig eingetrocknete Schleimtröpfchen. 

Diese waren freilich irdischer Natur, da der Techniker, der drei Jahre vorher das Schutzgehäuse montierte hatte wegen Schnupfens geniest und Partikel davon setzten sich unbemerkt fest. Doch dies war nicht die Sensation, sondern dass diese Schleimtröpfchen in einer Nährlösung wieder prächtig gedeihten, nachdem sie 2 1/2 Jahre dem Strahlenbombardement und den mächtigen Temperaturschwankungen um immerhin 500° widerstanden. Die Schnupfenbakterien wurden langsam wieder lebendig, so als wäre nichts geschehen. Verrückterweise wurde damit die Vorstellung gefördert, dass es im Weltraum selbst unter extremen Lebensbedingungen die geradezu als lebensfeindlich bisher eingestuft worden sind Leben geben kann. Apollo 12 hatte zufällig den Nachweis gebracht, das selbst im Vakuum des Kosmos Bakterien überleben können. Viel später sollte von da aus gehend die Überlegung fortgeführt werden, das Bakterien sogar die Reise zwischen den Welten überleben und somit Leben aus einem zunächst toten Planeten im interplanetaren Raum impfen könnten. Der Gedanke das mittels Meteoriten Leben durch das Universum getragen würde bekam hierdurch neues Futter. Leider ist Apollo 12 in Vergessenheit geraten, obwohl dies die einzige Mondmission war die Leben von dort zurückbrachte... Das verschworene Apollo 12-Team war von ganz anderer Art als alle Raumflieger zuvor. Es waren Männer, die nicht zu Helden gebohren waren, ja es waren schon auf Erden richtig lebenslustige, unerschütterliche und zuversichtliche Astronauten-Scherzkekse gewesen, vielleicht war dies auch mit der Psychologie zu begründen, da sie sich bewußt waren nur die "zweiten Sieger" zu sein, die sowieso niemand interessiert - und deswegen man ihnen alles durchgehen ließ. So kompensierten sie mit derben Sprüchen und Witzen ihren ernsten Job. Schon beim Start machte Bean einen Scherz mit der Bodenmannschaft: "Also wir fliegen jetzt zum Mond, hihi, kommt doch mit, wenn ihr wollt." Conrad nach einer halben Minuten Flugzeit: "Das Ding funktioniert doch tatsächlich." Diese Mondcrew war wohl auch die musikalischste gewesen, da sie es liebte bei der überspielten Musik mitzusingen. Zudem mußte mehrmals auf den vertraulichen "Schweinekanal" umgeschaltet werden, weil derbe Kommentare wie "Ich werde der erste Mensch sein, der auf den Mond kackt" (Conrad) keineswegs für die Öffentlichkeit geeignet waren. 

Daraus entstand dann das legendäre Gerücht, dass die Astronauten wohl aus dem offiziellen Kanal herausgenommen wurden, weil sie UFO-Begegnungen schilderten. Schon beim Aufsetzen auf die Mondoberfläche gab es keine Andächtigkeit und statt salbungsvolle Worte kam nur ein "Scheiße, es hat wirklich geklappt!" über den Äther. Apollo 12 war die Mission, die demonstrieren sollte, das ein Zielanflug und eine punktgenau Landung möglich war. Niemand konnte etwas an dem "anschaulichen Sprachgebrauch" (NASA-Lösung für die derben Sprüche) der Männer auf dem Mond ändern und ihre "ausgelassene Launigkeit" war schon bei ihrer Ausbildung aufgefallen. So wird es niemand wundern, wenn man auch bei der Bodenmannschaft unter Dave Scott ihnen zuspielte und pralle Pin-Up-Bilder den Männern in ihren Checklisten unterjubelte, die sie erst während ihren Arbeiten beim Aufschlagen der entsprechenden Seiten entdeckten. Auf dem Mond mußte deswegen des öftern auf den "Schweinekanal" umgeschaltet werden und manche Lady in der Presse-Lounge verließ diese mit hochrotem Kopf. Am Boden saßen einige Wissenschaftler wie z.B. Geologen und Seismologen wie auf glühenden Kohlen und wollten das Optimum aus ihren "Händen" auf dem Erdtrabanten herausholen und mancher hatte übertriebene Forderungen an die Männer da oben und wollten ihre empfindlichen Instrumente "mit dem Pinsel" von Mondstaub gesäubert haben, was die beiden Mondmänner nur mit einem Lachen und entsprechenden, wieder vor der Öffentlichkeit ausgeblendeten Kommentaren quittierten. Dennoch gab es auch Ernsthaftigkeit: So hinterließ Conrad für den ursprünglich für diese Mission vorgesehenen und kurz vorher tödlich verunglückten Astronauten C.C. Williams eine eine goldene Astronautennadel an sein Gedenken auf dem Mond. Er war auch der Grund, weshalb auf dem Missions-Abzeichen vier Sterne zu sehen sind, und nicht nur drei. Bean in seinem Tagebuch: "Ich hatte insgesamt 7 Stunden und 45 Minuten auf dem Mond verbracht, in der Lebensspanne eines Menschen nicht mehr als ein Augenblick. Aber was meine Augen in jenen Stunden gesehen haben, bleibt mir unvergessen und erfüllt mich noch immer mit ehrfürchtigem Staunen was ich nur schwer in Worten fassen kann. Doch die kostbarsten Dinge die ich mit zurückgebracht habe waren die mit denen ich gestartet bin - meine beiden besten Freunde. Und das Wichtigste beim Mondflug ist, dass man dieses Erlebnis mit jemanden teilen kann, den man wirklich liebt. Mehr braucht man nicht, mehr braucht man wirklich nicht." Doch dies war nur von kurzer Dauer, als sie an das Modul von Gordon wieder andockten, wurden sie ihrem Ruf als "verrückter Haufen" wieder gerecht. Gordon weigerte sich die beiden Kollegen in ihren "verdreckten Anzügen" in seine "schönes, sauberes Raumschiff" aufzunehmen. So zogen sich Conrad und Bean splitternackt aus und setzten sich so an die Kontrollen. 

Bei der NASA rieb man sich die Augen und eine geraume Zeit war die Öffentlichkeit mal wieder ausgeschaltet worden, als Gordon diese Aktion mit Worten wie "Vorsicht, das ihr nicht mit etwas Abstehenden an meinen Schaltern hängen bleibt!" begleitete. Die entsprechenden Witze auf dem Rückweg zur Erde ersparte man der Welt. So wird es niemanden überraschen, wenn die drei von Apollo 12 als erstes nach ihrer Entlassung aus dem "Seuchen-Container" auf dem Festland ihre goldenfarbenen Corvetts heizten und über die Highway bretterten... Aufregend wurde dann nochmals die Mission von Apollo 13 (James Lovell, Fred Haise, John Swigert) vom 11.bis 17. April 1970, weil sich auf dem Hinflug zum Mond (immerhin 330.000 km von der Erde entfernt) eine heftige Explosion im Versorgungsteil, dem Service-Modul, des Mutterschiffs ereignete und deswegen an eine Mondlandung nicht mehr zu denken war, ja das Leben der drei Männer an Bord bedroht wurde. Dies war die 23.bemannte amerikanische Weltraummission gewesen. Raumflug fast zur Routine geworden und nun dies. "Houston, wir haben ein Problem!" wurde zum irdischen Inbegriff für ein Mega-Problem ohne einen Plan B zu haben - in jeder denklichen Situation menschlichen Zusammenseins... Erstmals war eine Farb-TV-Kamera mitgenommen worden und man erwartete spektakuläre Aufnahmen, aber mit der Explosion war auch die Kamera heimgesucht worden und so blieb nurmehr der Funkkontakt zwischen Erde und Leerraum. Die ganze Welt zitterte damals (angeheizt durch die Presse die hier eine Story sah wie das Kaninchen hypnotisiert vor einer Schlange sitzt) bis der Rücksturz zur Erde glücklich abgeschlossen wurde, das war für die ganze Menschheit ein ganz besonderer Spacetrip gewesen. Allein schon deswegen, weil es erstmals ein "Nuklear-Problem" mit einer Weltraum-Mission gab. Im LM gab es eine Batterie mit 300 Gramm Plutonium, die eigentlich auf dem Mond zur Energieversorgung von Instrumentenen dienen sollte. Und nun mußte diese heiße Ladung wieder mit zur Erde gebracht werden und wenn es Probleme gab, dann würde eine radioaktive Wolke im Niedergangsgebiet entstehen. Die NASA-Techniker waren ob dieses Problem ziemlich bleich geworden, so als wenn sie nicht schon genug Ärger am Hals hatten. Kaum bekannt geworden ist was hinter den Kulissen bis hin zur Politik in diesen Tagen alles lief. Parallel einher gab es auch Veränderungen in der journalistischen Berichterstattung - nicht mehr das Ereignis wurde so wichtig, sondern der Eingriff in die Privatsphäre durch "personality-shows". Seither veränderte sich weltweit der Journalismus grundsätzlich, was auch mal interessant ist hier festzustellen. Das "Welcome Home" von Mission-Control dürfte uns noch allen in den Knochen stecken, die es damals live miterlebt und miterlitten hatten. Gene Kranz und vielen anderen flossen die Tränen in Strömen, als mit dem Öffnen der Rettungsfallschirme an Bord der Apollo 13 signalisiert wurde - wir sind wieder daheim. 

72 Stunden mit der Angst im Weltall - und alles ging gut, das Schicksal war in diesem Fall gnädig gewesen, die Angst um eine neue "Apollo 1-Katastrophe" schlußendlich unbegründet. Die größte Rettungsaktion in der Geschichte der Raumfahrt ging glücklich zu Ende*. Unsere Jungs waren gerettet worden, genau wie bei Apollo 11 spielte Nationalität plötzlich keine Rolle mehr. Man hatte sich einfach nur um Menschen (Terraner) im Kosmos Sorgen gemacht. Von Braun träumte indessen vom Flug zum Mars und verließ Huntsville 1970 um ins NASA-HQ in Washington zu gehen. Aber es kam anders, die "magische Zeit" war irgendwie für weitergehende Pläne vorbei und nichts mehr war wie früher. Nixon steckte mitten in der Watergate-Affäre und hatte somit ganz andere Probleme als sich Braun´s Wünschen zuzuneigen. Von Braun saß zwar in der NASA-Zentrale am Hebel - aber ohne Mittel und Möglichkeiten für seine Mars-Expedition. Ihm fehlte auch die Lobby dafür. In Huntsville war die Atmosphäre ganz anders als in Washington gewesen. Nun war er zwar nach wie vor der strahlende Held, aber nur noch als nationales Aushängeschild und anonsten ein Opfer der Bürokratie. Er erfuhr das Schicksal eines Dirigenten der plötzlich ohne Orchester dasteht. Drastischer ausgedrückt: Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan. 1972 verließ er enttäuscht die NASA und zwei Jahre später diagnostizierten die Ärzte Krebs. Sein Lebenswille war gebrochen und er starb 1977 im Alter von 65... *= Es gab sogar eine sowjetische Version von Apollo 13. Im April 1979 startete die Sojus-33 unter Kommandant Nikolai Rukavishnikov, der vier internationale Flug, weil an Bord sich in diesem Fall ein bulgarischer Kosmonaut aufhielt. Die Sojus bereitet sich auf das Ankoppeln mit Saljut-6 vor, dann geht etwas schief. Ein Sojus-Hauptraketentriebwerk hatte erstmals versagt. Es war eine kritische Lage entstanden - die Sojus konnte nicht ankoppeln und sich auch nicht mehr aus dem Orbit selbst herausschießen. Die Gefahr war real, dass das jene Mission war, vor der sich alle Raumfahrer überhaupt fürchteten - im All zu treiben und dort hilflos zu sein. Missed in Outer Space! Erstmals mußte das Reservetriebwerk einer Sojus für eine Notlandung eingesetzt werden, zuvor war soetwas auch noch nie getestet worden, noch nicht einmal als Trockenübung mit einer unbemannten Dummy-Kapsel. Würde dies nicht klappen und würde der Treibstoff dort keine 90 Sekunden ausreichen, würde Sojus-33 zu einem Satelliten werden, führungslos im Orbit auf immer und ewig dahinziehen. Fünf Tage lang wäre die Kapsel ein bemannter Satellit gewesen, danach nur noch ein Satellit - mit Leichen an Bord. Ein Horror-Szenario der Raumfahrt. Die Flugleitung setzte alles auf eine Karte - und die Männer kehren lebend zurück, durchgestaucht zwar, aber am Leben. Ein weiterer Weltraum-Krimi war gut ausgegangen. In einem anderen Fall unter dem Kommando von Vasily Lazarev war der Niedergangswinkel zu steil und die auf 10 g getrimmte Crew mußte knochenbrechende 20,6 g ertragen. Die Hölle. Und dazu landen sie noch im nordwestlichen China - 50 Meilen von der sowjetischen Grenze entfernt. Peking wird darüber nicht informiert und in einer geheimen Nacht-und-Nebel-Bergungsaktion holten sowjetische Hubschraubertruppen die Kosmonauten von feindlichem Gebiet heraus. Ein Thriller. 

Apollo 14 lief vom 31. Januar bis 9.Februar 1971 unter Alan Shepard, Edgar Mitchell und Stuart Rosa - dies schon unter dem Zeichen der Budget-Kürzungen für die NASA durch den US-Kongress. Sie landeten am Rand des Kraters Fra Mauro unterhalb des Äquators und die Mondlandemannschaft führte einen Handkarren mit. Einer der Männer spielte sogar Golf auf dem Mond. Auch hier gab es eine "Besonderheit": Die Mondmänner hinterlegten eine auf eine Mikrofilm reduzierte Bibel mit einem Auszug aus der Genesis in sechszehn verschiedenen Sprachen. Dieser Mikrofilm wurde ebenso in einer kleinen Zeitkapsel untergebracht und die Hinterlegung dieser wird in die Hände von Mitchell gelegt. Mit Apollo 15 (26. Juli bis 7.August 1971; David Scott, James Irwin, Alfred Worden) und Landepunkt im Apenninengebirge nahe der Hadley-Rille oberhalb des Äquators wurde sogar ein elektrisch betriebenes Mondauto zur Vergrößerung des Aktionsradius der Mannschaft auf unseren einsamen, kosmischen Begleiter mitgenommen und die beiden Mondmänner machten einen modernen Postkutschenritt. Apollo 15 brachte einen Schwenker hin zu wissenschaftlichen Aufgaben mit sich, weswegen den Astronauten nun wissenschaftliches Denken beigebracht wurde um als Feldforscher zu dienen, die den Mond richtig beurteilen können. Nun wollte man nicht nur auf dem Mond sein, sondern auch seine wahre Natur und Entstehung erforschen - damit verschoeben sich die Ziele zwischen Politik, NASA und Wissenschaft. Im Kongress war es derweilen beschlossene Sache, dass die Apollo-Missionen mit Apollo 17 abgeschlossen würden. Mit dem Mond-Roover und seinen 15 km/h war es erstmals möglich gewesen weiter vom Landemodul wegzukommen und das umliegende Gelände wirklich auszukundschaften. Die Apollo 17-Männer flogen nicht nur zum Mond, um mit Instrumenten Daten zu sammeln, sondern auch mit dem Geist - und der Geist ist kein zu füllender Kelch, sondern ein Feuer, was es zu entfachen gilt. Zurückgebracht haben die Astronauten die Probe # 15415 - den sogenannten Genesis-Mond-Stein, so alt wie das Sonnensystem selbst. Seither fand die letzte bemannte Reise des Menschen in weitere Kosmostiefen statt. Dies liegt schon wieder Ewigkeiten zurück. Harrison "Jack" Schmitt war seither der allerletzte Mensch der seinen Fuß in den Boden einer fremden Welt drückte und seine Unternehmung schickte auch kristallklare Bilder von der Expedition zur Erde. Vielleicht war dies die einmaligste Fernsehsendung aller Zeiten? Und dies obwohl die Einschaltquoten nahe Null lagen. Apollo 11 bot miserable Bilder, war aber die Weltsensation schlichthin - die 17 dagegen lieferte schon quasi Studioqualität ab, aber niemand schaute mehr so recht hin. 

In diesem Fall wurde dem kosmischen Kult dadurch gehuldigt, indem eine Miniatur-Statuette von etwa 9 cm Länge hinterlegt wird, ein stilisierter Astronaut als Symbol für das Sein der Menschheit aus der Hand des Künstlers Paul van Hoeydonck. Dies war schon ein kleiner feierlicher Akt in Erinnerung an die bisher bei der Eroberung des Weltraums umgekommenen Astronauten. Scott steckt neben der Mondstele ein kleines, weißes Kärtchen mit schwarzem Rand in den Mondsand, auf dem die Namen der 14 bis dahin umgekommenen Astronauten standen, darunter natürlich auch fünf Namen sowjetischer Kosmonauten. Natürlich ist es zu allen Zeiten üblich gewesen, gefallenen Helden Denkmäler zu setzen, daran ist überhaupt nichts mysteriöses, wie es z.B.Helmuth Hoffmann in der Esotera Nr.9/1974 versuchte hinzudrehen um diese persönlichen Mitbringsel den Anschein zu geben, als seien es geheime und verschlüsselte Nachrichten für Außerirdische auf dem Begleiter der Erde. Apollo 16 lief vom 16.bis 27.April 1972 mit der Raumfähre "Orion": John Young, Charles Duke, Thomas Mattingly. Landeplatz war hier die Hochebene am Krater Descartes am Äquator. In diesem Fall gab es eine besondere Panne mit dem Raumschiff "Orion". Man hatte geplant dieses zum Mond zurückfallen zu lassen, um den Aufschlag mit am Mondboden befindlichen Seismometern zu registrieren. Doch Kapitän Young betätigte den falschen Hebel und die ORION kreist seither als künstlicher Mond um den Mond... Am 14. Dezember 1972 verließen letztmals Menschen, darunter erstmals ein Wissenschaftler (der Geologe Harrison Schmitt), mit der Apollo-17-Mission die Mondoberfläche, nachdem sie dort nicht nur auf dem Mond mit der Landefähre "Challenger", sondern auch "Im 7.Himmel" gewesen waren. Eugene "Gene" Cernan startete als Commander der letzten bemannten Mondausflüge vom Mond mit folgenden Worten: "Wir gehen jetzt, wie wir einst gekommen sind. Und so Gott will, werden wir in Frieden und mit Hoffnung für die ganze Menschheit wiederkehren..." Jeder wird sich an das Abschiedgeschenk erinnern: Die Apollo 17-Crew hatte ihre Kamera außerhalb des Mondlanders 'Challenger' so positioniert, dass diese den Rückstart spektakulär aufnehmen konnte. Insgesamt sechs erfolgreiche bemannte Mondlandungen mit teilweise ausgedehnten Exkursionen von Mondfahrern waren verzeichnet worden. Im Zuge dieses Programms nahm die Fernsehbild-Übermittlungstechnik rasande Sprünge vor und lieferte immer bessere Bilder. Während bei Armstrongs berühmten Schritt die Bilder noch in Schwarz-Weiß und schemenhaft gehalten waren, hatte man drei Jahre später bei den Farbübertragungen fast schon den Eindruck live dabei zu sein. Im Orbiter kreiste Ronald Evans, als seine Kollegen in der Region am Littow-Krater im Taurusgebirge oberhalb des Äquators unterwegs waren. 

Auch die Crew von Apollo 17 hielt sich an kosmische Ritual und hinterließ eine Erinnerungsplakette mit den stilisiert eingelassenen Worten: "Möge der Geist des Friedens, in dem wir bisher kamen, auf das Leben der ganzen Menschheit ausstrahlen." Es folgten die Unterschriften der drei Astronauten und von Präsident Nixon, dessen Geist allerdings gerade Hektatonnen von Sprengbomben und verheerend wirkende biologische Kampfmittel über Vienam "ausstrahlte". Cernan sagte feierlich vor dieser Plakette: "Wenn dieses Schild von anderen gefunden wird, wissen sie, in welchem Geist alles seinen Anfang nahm. Hier endete der Mensch seine erste Exploration des Mondes im Dezember 1972." Später gestand Apollo 17-Commander Cernan (der bereits 1966 mit Gemini IX im Weltraum war und zu den Veteranen zählte - und die Initialen seiner Tochter mit TDC in den Mondstaub für alle Ewigkeit schrieb) zu, dass seine Mission wohl kaum "jemand einen Scheiß interessierte" - auch wenn die Mission wohl vom technischen und wissenschaftlichen Standard her die gelungenste von allen war und die Begeisterung in Houston wegen der Bildübermittlung kaum zu bremsen war. Chris Kraft, Director of Flight Operations, erklärte: "Ich wette mit Ihnen um $ 50 und eine Schachtel Donuts, dass niemand die beiden Namen der Männer weiß, die zuletzt da oben waren - und ich sage ihnen auch den Grund dafür: Dass sie dort nicht gestorben sind. Ihre Mission war fehlerfrei und was sie geleistet haben war verdammt gut - und sie sind heil zurückgekommen. Aber wer nicht gerade bei der NASA arbeitete kannte nicht einmal ihre Namen." Cernan gestand ein, dass das Bewußtsein auf dem Mond zu sein ihn daran hinderte wirklich zu schlafen: "An Schlaf war nicht zu denken, das Bewußtsein daran zu denken, wo ich mich befand war so unvorstellbar und hielt mich wach. Das was ich tat war so unvorstellbar, dass ich nicht schlafen konnte. Nur Jack schlief wie ein Murmeltier und ich nehme an, er erfuhr dabei die schönsten Träume seines Lebens. Schließlich waren dies Tage, an denen wir Unmögliches sahen und erlebten." 

Mit Apollo 17 war die fantastische Reise zu einem bisherigen Ende für den Menschen gekommen, ein bitter-süßes Ende auch für die Beteiligten am Boden, die dies alles verwirklichten und sich aufgeopfert haben, einige sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Doch diejenigen, die damals dabei waren, sind froh darum weil sie Zeugen einer historischen Ära geworden sind, die im direkten Vergleich mit späteren geschichtlichen Ereignissen der Welt-Historie nie diesen direkt Anschluss erfahren. Zahlreiche Journalisten und Prominente, die man Jahre später fragte, wie sie damals als Gäste in der Mission-Controll die wahrhaft direkt erlebten Vorgänge bei den Live-Übertragungen vom Mond empfanden waren auch zig Jahre später noch tief beeindruckt und eingenommen von dieser einmaligen Erfahrung, weil sie etwas miterlebten was sie vorher sich so nicht vorstellen konnten und für unmöglich hielten. Es ist eine Sache faktisch informiert zu sein, aber wirklich live in Houston auf der Pressetribüne zu sitzen und alles mitzubekommen, was direkt aus dem Weltall von unseren Jungs da oben zurückgeschickt wurde veränderte bei fast allen das Bewußtsein. Ausgebuffte Pressefritzen erlebten eine Faszination, wie sie sie vorher noch nie erlebt hatten, aller professionellen Abgeklärtheit zum Trotz. Und dies korrespondiert völlig mit allen Darstellungen der Mond-Besucher, die da unisono aussagen, man kann noch so viel erklären und berichten wie es da oben war, es wird nie wirklich die Wahrheit treffen, weil es den richtigen Worten hierfür mangelt. Die Tatsache, dass wir auf dem Mond waren ist weitaus wichtiger, als dass was wir dort über den Mond, die Erde und das Universum erfuhren. Denn wenn wir es zum Mond schafften, sollten wir Hoffnung für uns alle haben und in der Lage zu sein, alles zu erreichen was wir wollen. Und ich denke, dass dies wichtiger als alle Mondgesteine zusammen ist, die die Vertreter der Menschheit von da oben mit zu uns zurückbrachten. "Wenn uns eines die Geschichte lehrt, dann ist es die Tatsache, dass der Mensch in seinem Streben nach Wissen und Fortschritt durch nichts aufzuhalten ist. Die Erforschung des Weltraums wird weitergehen, ob mit oder ohne uns. Aber wir sollten uns beteiligen. Die Augen der ganzen Welt sind in den Weltraum gerichtet, auf den Mond und die Planeten. Unser Sein verlangt von uns, uns dieser Herausforderung zu stellen - diese Geheimnisse zu lüften, sie zum Wohle der Menschehit zu lösen. Die Eroberung des Weltraums bedarf des Besten was die Menschheit zu leisten vermag", erklärte JFK am 12. September 1962 an der Rice University. Trotz zunehmenden wissenschaftlichen Interesses wurde das ursprünglich bis Apollo 20 geplante Programm mit Apollo 17 aus finanziellen Gründen vorzeitig abgebrochen, immerhin waren 390 Kilogramm Mondgestein geborgen und zur Erde gebracht worden. Nixon ließ das Mondprogramm auslaufen, nachdem die Mondmänner insgesamt 80 Stunden außerhalb ihrer Mondfähren auf der Oberfläche Lunas verbracht hatten und ihre Gesamtverweildauer bei knapp 300 Stunden gelegen hatte. Der Traum hatte ein Ende. Nicht nur die Politik, auch die Öffentlichkeit hatte die Begeisterung verloren, Langeweile war eingetreten und man fragte sich: "Wie geht´s weiter, was gibt´s darüber hinaus?" In Anbetracht der mit Apollo 11 aufgekommenen nationalen Euphorie kam dieser Schwenk überraschend. Raumfahrtexperten und Zukunftsforscher hatten es bereits als normal angesehen, dass die Amerikaner jetzt den Durchmarsch bis zum Mars durchzogen. Alle Welt hatte dies schon als ganz selbstverständlich angesehen. Aber der Wettlauf zum Mond war entschieden und der Antrieb für eine neue spektakuläre Herausforderung im All war bei beiden Supermächten vorerst nicht mehr vorhanden. Schließlich verließ sogar Wernher von Braun enttäuscht die NASA, weil sie ihm keine Perspektive mehr bot. Zahlreichen hochspezialisierten Fachleuten ging es nicht anders, sie brauchte man nun nicht mehr. 

1977 sollte er dann mit 65 Jahren in Amerika an Krebs sterben. Sein Nachfolger William Lucas sagte in einem Nachruf: "Er hatte den Geist eines Wissenschaftlers, die Hände eines Ingenieurs, die Seele eines Dichters und die Vision eines Propheten." Die Apollo-Missionen sahen schließlich wie Routine aus, aber jeder Mondschuß war am Rande des Risikos gewesen, es hatte immer Problem gegebenen, bei denen den Verantwortlichen der Schweiß ausbrach und ihre Herzen lospumpten. 1972 gaben auch die Sowjets ihr geheimes Mondprojekt endgültig auf, N-1 war niemals zum Mond geflogen und die Techniker bekamen die Probleme mit ihr nie in den Griff. Ein weiterer Höhepunkt sowjetischer Aktivitäten war dann das meisterhaft konstruierte, ferngesteuerte Mondauto Lunochod gewesen, aber auch diese Technologie fror dann ein, bis man sie für die amerikanische Mars-Mission des Pathfinder 1997 wieder nutzte. Was die Russen vorhatten: Die fertiggestellte, aber niemals zum Einsatz gekommene sowjetische Mondfähre sollte nur einen Raumfahrer auf dem Mond bringen, ein zweiter Kosmonaut wäre im Mondorbit an Bord des Mutterschiffs verblieben. Das ursprünglich für den Mondflug entwickelte und heute noch verwendete Sojus-Raumschiff setzten die Sowjets bemannt nur in der Erdumlaufbahn ein und verlagerten sich ab 1971 auf bemannte Orbitalsysteme, an deren Ende die MIR 1986 stand, die mächtigste und dauerhafteste Raumstation seither. Nachdem die roten Weltraumpioniere den ersten Satelliten, den ersten Hund und den ersten Menschen hochgebracht hatten, bewiesen sie am 19. April 1971 durch den Start der ersten Raumstation in den Orbit, der "Saljut-1", was sie am besten konnten: Material in den Kosmos bringen. Saljut war bis dahin konkurrenzlos, es gab noch nie zuvor ein orbitales Weltraumlabor für lange Weltraumnflüge. Ausgereifte Zugpferde hierfür waren die Proton-Rakete und die Sojus-Kapsel geworden - auch wenn es zunächst wenig erfolgreich lief. So musste die erste Kapsel gleich wieder umdrehen - zwar war das Andockmanöver an "Saljut-1" geglückt, beim Umsteigen traten allerdings Probleme auf. Erst im Juni 1971 erreichten die drei ersten Kosmonauten die Station. Der Rückflug 23 Tage später verlief allerdings tragisch. Aufgrund eines defekten Druckventils in der Sojus-Kapsel starben alle drei Kosmonauten aufgrund eines blitzschnellen Vakuumeinbruchs. 

Auf schützende Raumanzüge hatte die UdSSR verzichtet - das Raumschiff war einfach zu klein dafür! Auch die nächsten Missionen waren vom Pech verfolgt: Der Start einer Station im Juli 1972 schlug fehl; ein Jahr später erreichten zwar zwei Module ihre Umlaufbahn (darunter Saljut-2), erwiesen sich aber als unbewohnbar. Saljut-1 war die erste von insgesamt sieben Saljut-Stationen. Versorgt wurden die ersten russischen Raumstationen mit unbem,annten Sojus-Kapseln, welche später von den Progress-Kapseln ersetzt wurden. Bis Saljut-5 waren die russischen Stationen insgesamt wenig erfolgreich. Sojus-19 koppelte am 15. Juli 1975 an eine amerikanische Apollo-Kapsel an. Dies war das erste Koppelungsmanöver zweier Raumfahrzeuge aus verschiedenen Nationen. Die Amerikaner hatten mehr Glück. Als das Mondprogramm auslief, bastelten die NASA-Techniker aus seinen Überresten die erste Raumstation. Kernstück des "Skylab" bildete eine umgebaute dritte Stufe der Saturn-V-Rakete, die schon Armstrong zum Mond getragen hatte. Mit 26 Metern Länge und einem Durchmesser von 6,6 Meter war "Skylab" deutlich größer als das sozialistische Pendant. Doch schon drei Missionen später wurde das Himmelslabor 1974 wieder dichtgemacht, wenn auch mit der Option sie später wieder zu reaktivieren. Doch daraus wurde nichts, schließlich ging das "Skylab" ziemlich spektakulär als Wiedereintritts-Lichtspektakel unkontrolliert 1979 über dem Westen Australiens herunter. Mit "Saljut-6" begann dann eine neue Zeit. Erstmals war eine russische Raumstation dafür ausgelegt worden, Langzeitaufenthalte zu ermöglichen. 15 Crews besuchten zwischen 1977 und 1982 den Orbitalkomplex, darunter auch der ostdeutsche Fliegerkosmonaut Siegmund Jähn aus Morgenröthe-Rautenkranz, der 1978 für eine Woche dort oben war und mit Sojus 31 Saljut-6 erreichte. Damit wurde er zum ersten Deutschen im Weltraum! Der Nachfolger wurde 1982 gestartet, "Saljut-7", und diente biologischen Versuchen und der fotografischen Erdobservation. Hier waren Langzeitmissionen mit mehr als 230 Tagen im All möglich geworden. Im März 1986 machten dort dann schließlich die letzten Kosmonauten das Licht aus. Da die "MIR" bereits oben war, konnte die Crew gleich zur neuen kosmischen Behausung weiterfliegen. Das MIR-Projekt war wie ehemals das amerikanische Raumprogramm zur Landung auf dem Mond eine Aufgabe von nationaler Bedeutung für Moskau. Am 19. Februar 1986 wurde zum 27. Parteitag der KPdSU das Kernstück der MIR ins All geschossen - Aufbruchstimmung unter Gorbi auf der Erde und im Kosmos. Ein Monat später dockte die erste MIR-Crew an und schlachtete die Station Saljut-7 im Erdorbit aus, um das Leben auf der MIR erträglicher zu machen. Während Amerika ob der Challenger-Katastrophe wie gelähmt war, richtete Moskau einen Routine-Flugverkehr zur MIR ein. 

Mit dem Aufbau der MIR zog Moskau in großen Schritten an den Vereinigten Staaten von Amerika vorbei. Die Schmach des verlorenen Mond-Wettlaufs war damit nach fast 20 Jahren wettgemacht. Wenige werden sich daran erinnern, dass der afghanische Kosmonaut Abdulahad Momand 1988 hochflog während Russland gerade den Rückzug aus Afghanistan vorbereitete, nachdem es dort sein eigenes 'Vietnam-Debakel' erfuhr. Rückzug auf der Erde und parallel einher die Eroberung des Kosmos, wie irrwitzig. Doch da praktisch alle sowjetischen Weltraumapparate eine Doppelfunktion ausübten (weil sie unter dem Kommando der Weltraum-Streitkräfte standen), war dies bei der MIR zunächst nicht anders. Russland trainierte hauptsächlich Militärpiloten für die bemannte Raumfahrt und es gibt hartnäckige Gerüchte, wonach schon die erste Sputniks fernzündbaren Sprengstoff an Bord hatten. Offenbar keine übertriebene Vorsicht: Wie es heißt sei mehrfach versucht worden, sowjetische Satelliten aus dem Kosmos zu stehlen. Damit bekommen ufologische Spekulationen über amerikanische Sonderkommandos ("Mondust" und "Blue Fly") zur Bergung von unidentifizierten Flugobjekten neue Nahrung, auch wenn sicherlich im Grunde damit Operationen und Missionen rund um die Bergung von sowjetischer Raumfahrt-Hardware gemeint sind. Vergessen wir dabei nicht, dass das UFO-Projekt Bluebook selbst unter der Aufsicht des "Foreign Technology Center" auf Wright-Patterson stand, wo man auch erbeutete oder sonstwie aufgegriffes feindliches Flugzeuggerät analysiert. So war auch die Station MIR das ehrgeizige Projekt der Kremlstrategen gewesen, man führte dort nicht nur zahlreiche militärische Experimente durch, sondern man machte auch Startbeob achtungen von ballistischen Raketen und Versuche, um diese zu vernichten. Während auf der Erde die Demontage der Berliner Mauer stattfand, wurde die MIR im All fertiggestellt. An Bord befand sich der einsamste Mensch der Welt: Anatoli Arzebarski, der Mann der zwei Welten. Er hatte den roten Banner der UdSSR mit Hammer und Sichel an einem Solarpanelen-Mast der MIR gesetzt und war der Verlorene des Systems im Kosmos geworden - nach mehr als einem Jahr kehrte Arzebarski zurück und erlebte Russland in den Anfängen und Fängen der ehemals verhassten Marktwirtschaft und im Prozess der Demokratisierung. Es war eine andere Welt. 1991 war es noch dramatischer, der Dienstherr der sowjetischen Kosmonauten, der sowjetische Staat, löste sich auf. Unter Jelzin fiel das ehemals streng-geheime russische Space Shuttle-Militär-Projekt BURAN 1993 dem Rotstift zum Opfer, seither war die Raumfahrt in der ehemaligen UdSSR nicht mehr das wie zuvor. Am 15. November 1988 absolvierte Buran seinen nur 3 1/2-stündigen Jungfernflug um die Erde. Es sollte bis heute der einzige Flug des russischen Space Shuttle bleiben. Übrigens wurde die Buran durch das Energija-Trägersystem hochgebracht, einer der schubkräftigsten Trägerraketen die je gebaut wurden. 

Die Energija-Rakete hatte bereits 1987 ihren ersten Einsatz un d man vermutet, dass diese Rakete rein militärischen Zielen diente (die Technik ging auf die gescheiderte N-1-Raket zurück). Die Arbeit im Kosmos erfordert große finanzielle Investitionen. Unabhängig von den Forschungsaktivitäten der anderen Länder hatte sich erwiesen, dass Moskau nicht alles gleichzeitig machen konnte: Es war nicht möglich, sowohl Weltraumstationen zu unterhalten, als auch Space Shuttles zu konstruieren und so die Kosmos-Eroberung weiterzuführen - das Geld reichte nicht. So musste also das Buran-Shuttle-Projekt eingestellt werden - das größte und teuerste je in Russland gebaute Raumschiff wurde in Baikonur geparkt und verwittert dort nun als wenig gepflegte aber viel beachtete Touristenattraktion. Und dies obwohl Buran einmal der politischen Führung so wichtig war, dass man seinem Chef-Entwickler drohte ihn an die Wand zu stellen, wenn Buran nicht funktionieren sollte! Jahrzehntelang hatten sich die USA und die damalige Sowjetunion eine kostspielige Material- und Menschenschlacht im Kampf um die Dominanz im All geliefert. Nun war dem Kreml die Puste ausgegangen. Buran wäre nicht in der Lage gewesen Missionen wie das US-Shuttle auszuführen, weil es keine ausreichenden Lebenserhaltungssysteme gab und die Computer nur unvollständig arbeiteten. Obwohl die Elite sowjetischer Testpilopten danach gierte den Buran zu fliegen, die wirtschaftlichen Probleme ließ sie am Boden bleiben. Mit dem Zerfall der Sowjetunion gab es auch Konsequenzen für die Kosmonauten. So befand sich der Weltraum Baikonur plötzlich auf dem Gebiet der unabhängigen Republik Kasachastan - quasi im Ausland. Startplatz und Landeflächen nicht mehr unter eigener Kontrolle. Russland war urplötzlich zahlender Mieter im eigenen Haus geworden. Interessante Kombinationen kamen da zustande. MIR-Kommandant Talgat Musabajew war Kasache - und Soldat der russischen Armee. Auf höchster Staats-Präsidentenebene mußte dann entschieden werden, als welcher Mensch Musbajew zur MIR flog - so ist eben Politik und die Wendezeit brachte staatlich verordnete Bewußtseinsspaltung mit sich. Plötzlich gab es Streiks und sogar Plünderungen auf dem Cosmodrome Baikonur. Und manchmal wurden sogar Rückflüge der Kosmonauten unendlich lang hinausgezogen, weil einfach das Geld in Moskau hierfür fehlte. Seither werden Kosmonauten nicht nur schlecht bezahlt, sie erlangen auch keinen Ruhm mehr. Die russische Raumfahrt geriet Anfang der 90er Jahre in eine existentielle Krise! Der Pendelverkehr mit Versorgungsgütern und frischen Mannschaften auf die MIR wurde unregelmäßig - gut, auf Ruhm kann der Mann im All verzichten, aber auf Versorgungsraumschiffe nicht. MIR-Kommander Wassili Ziblijew gesteht so ein, dass die Kosmonauten deswegen viel zu viele Zeit dort oben mit Reperatur- und Ausbesserungsarbeiten in der Improvisierung verbrachten. Cheftechniker Alexander Serebrow machte aus der Not eine Tugend und umging internationale Bestimmungen zur Vermeidung von Weltraummüll. Heimlich sammelte er Müll und stieß diesen immer wieder aus, um damit unbekannte Flugobjekte zu provozieren. Ganz verrückt: er bastelte dabei die irrwitzigsten Konstruktionen und eine versah er gar mit einem defekten Kosmonautenanzug, den er mit weiterem Unrat auffüllte und dann rittlings auf die "UFO"-Konstruktion des ausgeschleusten Ballens von Müll setzte und ihn den "Inspektor" nannte. Die Crew machte tagelang ihre Witze darüber. Wochenlang umkreiste das ungemeldete Flugobjekt die Erde und verblüffte das Flu gleitzentrum in Moskau, wo man ob dieser Erscheinung mit Erstaunen auf den Radars verzeichnete. (Zu sehen gewesen im Juli 2000 in der ARD-Dokumentation "Schwerelos und altersschwach - Die unendliche Geschichte der MIR".) 

In dieser Umbruchszeit gab Moskau der ESA und damit auch deutschen Astronauten die Chance ins MIR-Programm einzusteigen. Ohne die politischen Veränderungen wären nie ein Klaus-Dietrich Flade, Merbold oder Reiter zu Gast auf der MIR geworden wie zig Besucher aus Amerika mittels Space Shuttle-Andockmanövern auch. 1992/93 erschütterten politische und ökonomische Krisen das neue Russland. Das Land taumelte dem Chaos entgegen und Bürgerkrieg drohte. Die notwendigen Gelder für die MIR wurden immer knapper. Die Zeit nützlicher Allianzen setzte ein. Im Herbst 1993 beschlossen Amerikaner und Russen ein gemeinsamen MIR-Shuttle-Programm, was zuvor undenkbar gewesen war. Ohne diesen Pakt im All wäre das Aufrechterhalten des russischen Kosmos-Programms sehr kritisch geworden. Vor den Augen ehemaliger Klassenfeinde und in deren Greifweite mussten russische Weltraum-Arbeitskollehen die militärischen Geheimnisse schützen. Auf engstem Raum bestimmte Tarnen und Täuschen das Geschehen im Weltraumlabor, während auf Erden die Reformpartner vielfach kooperierten. Damit nicht genug: wissentlich oder naiv finanzierte der Westen das vielfach gefährlichste Kampfmittel russischer Generäle mit Sowjetmentalität. Das 1995 installierte Spektr-Modul nahm zivile NASA-Technik auf. Ursprünglich sollte dieses Modul mit dem System Oktawa neueste Spionagegeräte gegen US-Flugkörper transportieren. Von 67 russischen Dissertationen, die an Bord der MIR zu Stande kamen, kreisten 35 um "gesperrte", weil militärische Themen. Die $ 400 Millionen Amerikas für den Langzeitaufentehalt eigener Astronauten an Bord der MIR waren eine Art Überlebensspritze gewesen, auch wenn die "Pannen-MIR" mit einem dramatischen Zwischenfall vom 25. Juli 1997 beinahe ein Ende gefunden hätte. Es war gerade ein neuer US-Astronaut an Bord gekommen, als es zu einer Fast-Kollision mit einem Progress-Versorgungsraumschiff kam. Die Progress rammt die MIR, das Hauptalarmsystem zur Notevakuierung spricht an. Luft strömt ins Weltall hinaus, die Crew reagiert schnell und versiegelt den betroffenen Sektor, um damit die erste Dekompression im Weltall innerhalb einer bemannten Raumfahrteinheit zu verzeichnen! Dies war eine absolut tödliche Gefahrensituation gewesen, die nochmals mit einem blauen Auge überwunden wurde. Die wahre Dynamik des Ereignisses wurde damals der Öffentlichkeit gar nicht so recht bewußt und schreckte nur die Fachleute hoch. Wer den SF-Spielfilm "Armageddon" mit Bruce Willis gesehen hat, bekommt in etwa mit der dort gezeigten MIR-Katastrophe ein Bild von dem was hier real hätte fast passieren können. In dieser Zeit entstand auch das große Vorhaben namens Internationale Raumstation (ISS) als gemeinsames Projekt aller raumfahrenden irdischen Nationen. Im Sommer 1995 startete dann die ATLANTIS vom Cape hin zum ersten Rendezvous mit der MIR - der erste Schritt auch hin zur "international cooperation in space" wie damals der NASA-Sprecher beim Start verkündete. Damit gelang Washington ein Seiteneinstieg in die Geheimnisse der russischen Raumfahrt und man lehrte alles was es über diese zu lernen gab, direkter und effizienter als alle geheimdienstlichen Operationen der vorausgehenden 30 Jahre. Die Atlantis dockte an - aus den einstigen Kontrahenten waren nun gern-gesehene Gäste im All geworden, zehn Jahre vorher noch ein unmöglicher Gedanke auf beiden Seiten! 20 Jahre nach dem legendären Sojus-Apollo-Manöver begrüßten sich erstmals wieder Russen und Amerikaner per Handschlag im All. Insgesamt 44 Astronauten kamen im Shuttle zur MIR - und wie immer bei "amerikanischen Eroberungen" der Neuzeit brachten sie im Rucksack die UFOs mit - bei schier allen MIR-Shuttle-Manövern entstanden Filmaufnahmen mit Eiskristallen, die in der UFOlogie mal wieder als außerirdische Raumschiffe gedeutet wurden und damit diesen Bereich für sich erschlossen, um den Mythos von den Fliegenden Untertassen weiterzuspinnen. 

Haben Sie an den Samstagen des 5. & 12. Mai 01 mal in den Kleinsender Vox reingeschaut? Hier liefen nämlich hervorragende Spiegel-TV-Dokumentationen über das "Wettrüsten im All" zwischen Ost und West. Begleitet wurde diese kleine Reihe von einem interessanten Spiegel-Online-Internetangebot der verantwortlichen Redaktion. Hierzu war der MIR-Kosmonaut Sergej Awdejew im Februar 2001 interviewt worden, der insgesamt 747 Tage im All gewesen war und damit den aktuellen Langzeitrekord hält (der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter besuchte ihm im Oktober 1995 auf der MIR und beide unternahmen einen Aussenbordeinsatz am Wissenschaftsmodul 'Spektr') . Man fragte ihn, welches Bild sich ihm am stärksten bei seinem Weltraumaufenthalt eingeprägt hat. Seine Antwort: "Jedes Hinausgehen in den Weltraum birgt eine vollkommen neue Erfahrung. Auf meinen Flügen war ich zehn Mal im offenen Kosmos und erinnere mich sehr genau an jedes einzige Mal. Einmal - wir hatten gerade die Ausstiegsluke geöffnet - flogen einige Wassertropfen aus dem Innern der Station als Kristalle ins All hinaus. Da fehlte nur noch die Schneesturm-Sinfonie von Swiridow." Kein Wunder, wenn der Artikel dann auch mit "Sinfonie der Eiskristalle" betitelt worden war. Doch nochmals zurück in die weitere Vergangenheit. Die Russen konzentrierten sich auf Saljut 1, der ersten bemannten Raumstation, die sie 1971 in die Erdumlaufbahn brachten. Die erste von insgesamt sieben Raumstationen. Fast schon vergessen ist ein Unternehmen, welches als "Flaschenpost für das Universum" fast schon in Vergessenheit geraten - der erste ernsthafte Versuch der Mensch mit mit extraterrestrischen Zivilisationen in Kontakt zu treten. Alles begann am 3. März 1972 mit dem Start der US-Raumsonde Pioneer 10 von Cape Kennedy aus. Die Pioneer 10 war das erste Raumfahrzeug, das die Umgebung des Planeten Jupiter und auf seiner Reise dorthin den Asteroidengürtel, der sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter erstreckt, erforschen sollte - um zu sehen, ob dieser gefährliche Punkt im Sonnensystem überhaupt durchdrungen werden kann. Die Pioneers ebneten den Voyager-Sonden also den Weg. Den Menschen war es gelungen, diese Asteroiden-Mauer zu überwinden - der Weg ins äußere Sonnensystem war also sicher. 

Am 1. Dezember 1973 näherte sich die Sonde dem Jupiter (der immerhin 5 x weiter von der Erde entfernt ist als die Sonne); sie wurde durch die Gravitation des Riesenplaneten beschleunigt und zum ersten von Menschen geschaffenen Objekt, das auf dem Weg war, das Sonnensystem zu verlassen. Mit einer dadurch entstandenen Fluchtgeschwindigkeit von elf Kilometern pro Sekunden wurde Pioneer 10 zum schnellsten Objekt, das die Menschheit je gebaut hat, aber dieses "Raumschiff" würde allein 80.000 Jahre brauchen um bis zum nächsten Stern in 4,3 Lichtjahren Entfernung zu gelangen. Daher ist die Sonde nicht dazu bestimmt, zum nächsten Stern zu fliegen, sondern einen Punkt in der Himmelssphäre anzusteuern, an dem sich in näherer Umgebung keine Sterne befinden. Es wäre denkbar, dass das Gefährt nur dann einer extraterrestrischen Zivilisation begegnet, wenn diese die Technik des interstellaren Raumflugs beherrscht und in der Lage ist, derart unauffällige Objekte zu orten, abzufangen und zu bergen. Mit der Pioneer 10 ist es also wie mit einer Flaschenpost, die man ins Meer wirft - nur ist der Weltraum weitaus größer als jedes Gewässer der Erde. Dennoch, der Chance wegen, kam der berühmte US-Astronom Carl Sagan auf die Idee, der Sonde eine Nachricht von der Erde mitzugeben: eine 15 x 22 cm große mit Gold beschichtete Aluminiumplatte mit Gravuren und an der Antennenverstrebung der Sonde befestigt. Diese Platte enthält eine Botschaft, die in der einzigen Sprache geschrieben ist, die wir mit den potentiellen Empfängern gemeinsam haben: der der Wissenschaft. In der linken oberen Hälfte befindet sich eine schematische Darstellung des Quantensprungs bei neutralen Wasserstoffatomen von parallelem zu antiparallelem Protonen- und Elektronen-Spin. Unter dieser Darstellung steht die Binärzahl eins. Zur Bestätigung dieser Information steht auf dem rechten Rand zwischen zwei Zeichen, die die Höhe der Pioneer 10-Sonde angeben, das hinter dem Mann und der Frau schematisch dargestellt ist, die Binärzahl 8. Damit wird bestätigt, dass das Symbol in der linken oberen Hälfte die angedeutete Wasserstoffumwandlung darstellt. Weitere Binärzahlen sind in dem radialen Muster im Hauptteil des Diagramms im linken Mittelfeld angegeben. Diese Zahlen würden in der dezimalen Schreibweise 10 Ziffern umfassen. Abgebildet ist auch ein Schema unseres Sonnensystem mit der ungefähren Größe der Planeten und die Ringe des Saturn sind ebenfalls aufgezeigt. Ebenfalls wird die anfängliche Flugbahn der Sonde aufgezeichnet, wie sie von der Erde startet und am Jupiter vorbeifliegt. Die nackt abgebildeten beiden menschlichen Gestalten wurden von Sagans Frau Linda beigesteuert. 

Die Kommentare für diese an Aliens gerichtete "Postkarte" waren überwältigend und alle Welt druckte und zeigte das Bild dieser Plakette. Sie wurde auf den Titelseiten der International Herald Tribune genauso abgedruckt, wie auf der der Londoner Times oder der Washington Post. Pioneer 10 flog Anfang Dezember 1973 dicht am Jupiter vorbei, begleitet von den irdischen Glückwünschen in einer monumentalen Medienbeachtung. Schließlich fand das wachsende Bewußtsein für die Möglichkeit außerirdischen Lebens irgendwo im All hier eine symbolische Anerkennung! Doch Ende Dezember 1973 war die Pioneer 10 nur eines in einem bemerkenswerten Aufgebot an Raumfahrzeugen, die von dem blauen Planeten aus in alle kosmische Richtungen ausschwärmten. Mariner 10 hatte die Venus hinter sich gelassen und befand sich auf ihrem Weg zum sonnennächsten Planeten Merkur, von der sie sich einen ersten gründlichen Überblick aus der Nähe verschaffen konnte. Eine Formation von vier sowjetischen Raumsonden, Mars 4 bis 7, war zum Roten Planeten unterwegs, wo man sich eine Foto-Lande-Mission versprach. Die Nachfolgesonde der Pioneer war die Nummer 11, die sich gerade auf dem Weg zum Saturn befand (übrigens mit der selben Plakette an Bord). Und ein großer eisiger Besucher aus der Tiefe des interstellaren Raums, der Komet Kohoutek, durchstreifte unter dem Blick der Weltöffentlichkeit das innere Sonnensystem - vielleicht ist dies alles auch ein signifikanter sozio-psychologischer Faktor für die große UFO-Welle in den USA zu diesem Zeitpunkt. So gesehen ging das Jahr 1973 in die Geschichte ein, als sich die Menschheit ernsthaft der Erforschung der Umgebung ihres Heimatplaneten gewidmet hat. Die Pioneer-10-Botschaft half uns dabei, uns gewissermaßen in kosmischer Perspektive zu sehen. Sonach liegt aus heutiger Sicht die Bedeutung der Pioneer-10-Plakette nicht in einer Nachricht nach dort draußen, sondern vielmehr ist es ihr Charakter einer Botschaft an uns selbst zum richtigen historischen Zeitpunkt. Im Mai 1973 setzten die Amerikaner nach und setzten Skylab an den Himmel, eine notgedrungene Mischung aus einer umgebauten dritten Stufe einer Saturn-5-Rakete und Apollo-Bauteilen. Langzeitflüge waren für Amerika was ganze Neues. Im Jahr 1979 war das Unternehmen Skylab abgebrochen worden, weil die Mittel gekürzt worden waren und die NASA sich der Entwicklung des Space Shuttle hinwendete, welches über sieben Jahre hinweg entwickelt worden war um eine preiswerte Lösung für den Raumflug mittels wiederverwertbarer Raumflugkörper in Händen zu haben, das Raumtransportersystem wurde eingesetzt. Skylab verging in einem gewaltigen Feuerspektakel über Australien, wobei auch äußerst beeindruckendes Filmmaterial von einem Wiedereintritts-Körper entstand, welches ich erstmals am 28.Februar 2001 in der ZDF-Discovery-Sendung "Satelliten" einsehen konnte - und hervorragend geeignet ist, um einen solchen Vorgang als UFO-Fall zu demonstrieren. Das Shuttle ist auf die nächsten Jahrzehnte hin das Transportmitel für den Countdown ins All: Es startet als Rakete, im Orbit schwebt es als Raumschiff und beim Wiedereintritt in die Atmosphäre wandelt es sich zum computergeleiteten Gleiter um dann auf einen Luftkissen zu landen. Hierfür werden echte Piloten gebraucht, da die Flugzeugeigenschaften hier voll zum tragen kommen und das Gerät auch wie ein Flugzeug geflogen wird, was man von den sonstigen Raumflugkörpern ja nicht sagen kann (auch wenn hierfür in den ersten Jahren ausschließlich USAF-Risikopiloten verwendet wurden, die in ihren Kapseln eigentlich nie die Herausforderung ihres ursprünglichen Jobs erfuhren). 

Das Space Shuttle ist eigentlich nichts weiter als ein gigantisches Flugzeug, welches mit der zehnfachen Schubkraft einer Boeing 747 hochschießt - eigentlich unglaublich. Die Raumfähre ist binnen zehn Minuten bereits in den erdnahen Weltraum eingeschwenkt! Es wirkt fast wie ein nationaler Protest, als dann in diesem Herbst eine mächtige UFO-Welle die USA überzog, da sich Amerika für einige Zeit aus dem Weltraum-Programm zurückzog und am Boden blieb. Dennoch auch dies war nur ein kurzes Aufflackern, dann verlosch das UFO-Interesse wieder. Die Bindungskräfte schienen nicht stark genug gewesen zu sein und die realen Raumfahrtmisionen genug an Faszination mitgebracht zu haben, um keine seelische Ersatzbefriedigung in den UFOs aus dem Weltall suchen zu müßen. Parallel einher war auch das Interesse an Science Fiction und SF-Kinofilmen am Nullpunkt angelangt - niemand in Hollywood gab einen Pfifferling darauf. Dieser wechselseitige Einfluß zwischen Fiktionen der SF und UFOlogie sowie den ausgelebten, erfahrenen Realitäten des echten Weltraumfiebers ist sicherlich bisher kaum beachtet worden. Wir sehen hier exemplarisch, wie SF, UFO-Glaube und Raumfahrt soziologisch und kulturell die Elemente für einen kosmischen Aberglauben in unserer Zivilisation hergeben. Alsbald nämlich kamen immer öfters Behauptungen in Umlauf, wonach während den Apollo-Missionen die amerikanischen Raumfahrer nicht nur UFOs sahen, sondern auch auf dem Mond nahe Begegnungen etc erlebt haben sollen. Historisch betrachtet ist dies freilich nichts Neues. Bereits bei der Eroberung des Planeten Erde und der Überquerung der großen Wasser bildeten sich phantastische Legenden und Sagen aus. Erinnern wir uns nur an den Mythos von den Seeschlangen, als die Menschen gerade aufbrachen, um via Segelschiffen die Meere zu erobern. Analog dazu paßen natürlich die modernen Mythen von den UFO-Begegnungen der Astronauten haarfein... Ein Autor namens Bill Kaysing veröffentlichte 1976 das Buch "We Never Went To The Moon: America's Thirty Billion Dollar Swindle" und behauptete dort, dass die großen amerikanischen Raumfahrthelden auf dem Mond in Wirklichkeit die "größten Schauspieler und Lügner" Amerikas seien. Hier behauptete Kaysing in einem Anfall von Paranoia, dass der "große Sprung" der Menschheit in Wahrheit in der Wüste von Nevada stattgefunden habe und Hollywood ganz dick seine Finger im Spiel hatte. Die Mondlandungen seien Inszenierungen gewesen, um die Sowjets und das eigene Volk zu täuschen, weil die menschliche Technik gar nicht imstande sei, zum Mond zu kommen. Wenn man so will, dann ist Kaysing der "Vater aller modernen Weltraum-Märchen" und in seine Fußstapfen traten dann die Herren Hoagland, Lazar, Armstrong oder auch Lear. 

Dies war dann auch mit ein Thema am 18. Juli 1999 in einem Mondlandebeitrag auf Pro7 bei Focus TV. Die Mondlandung - kein Riesensprung für die Menschheit, sondern der größte Bluff? Armstrong - kein amerikanischer Astronautenheld, sondern der größte Schauspieler und Lügner Amerikas? Kaysing´s "Argumente" immer noch nach dreißig Jahren: Die Mondlandung ist eine Verschwörung finsterer Gestalten. A) Weil man auf den Fotos der Landestelle keinen davongewirbelten Staub sieht, kann auch mit dem Motor der Landefähre keine Landung erfolgt sein. Doch: Staub auf dem Mond verhält sich wie nasser Sand auf der Erde - man kann ihn anblasen und kriegt ihn nicht weg. Das kann man auch an den Fußabdrücken der Astronauten sehen, die fallen ja auch nicht wie in Staub zusammen, sondern bleiben erhalten weil sich der Mondstaub wie nasser Sand verhält. B) Aufgrund der perfekten Ausleuchtung der Mondoberfläche wird bezweifelt, dass die angeblich dort entstandenen Mond-Fotos tatsächlich auf dem Mond gemacht wurden. Doch: Man muß sich vorstellen, dass das Szenario der realen Mondlandung sich auf einer ebenen Oberfläche abspielte und diese sehr intensiv und ungefiltert von der Sonne bestrahlt und nach opto-physikalischen Gesetzen zurückgestreut wird. Dadurch gibt es am Boden schwarze Schatten während in der Mondlandschaft stehenden Objekte wie die Astronauten relativ helle Schatten besitzen. Die NASA konnte nichts tun um die Verschwörungstheorien, die damit verbunden sind, zu ersticken. Dennoch, in der Magazin 2000-Ausgabe Nr. 142 für September/Oktober 1999 meldete sich Gernot L. Geise zu Wort und brachte den Vertuschungs-Artikel "Welcher Astronaut war wirklich auf dem Mond?" um in die selbe Kerbe wie Kaysing zu hauen. Die Lexika-Fakten über die Mondlandungen seien Falschaussagen, dies "dürfte inzwischen bekannt sein". Für Geise ist klar, dass das NASA-Mondfotomaterial zum großen Teil "nachgestellt und keinesfalls auf dem Mond aufgenommen" wurde. Die Apollo-Missionen fanden nach Geise also im (irdischen) Studio statt und nicht auf unserem fernen Trabanten. Ansonsten ging die NASA soweit, um Astronauten und Gerät in "Mondlandschaften" hineinzukopieren, andererseits wurden auch Landschaftsaufnahmen nachträglich manipuliert, indem man zusätzliche Felsen etc ins Bildmaterial hineinkopierte. 

Und die mitgebrachten Steine vom Mond? Ganz einfach, die entstammen aus der Atacama-Wüste in Chile. "Unternehmen Capricorn" ist also Wirklichkeit geworden (?). Gerne wird diese Konzeption aufgegriffen. Nehmen wir den UFO-Kurier Nr. 25 vom November 1996. Hier berichtete Andreas von Rétyi in seinem Artikel "Auf den Spuren der Mondrätsel" davon, das es auf dem Mond "nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht" und es dort "Veränderungen" gäbe, "die in gewisser Weise ein 'intelligentes Verhalten' an den Tag legen". So hatte Edwin Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, ein SF-Buch über Begegnungungen mit Außerirdischen veröffentlicht und natürlich frägt sich da von Rétyi ob dies den wirklich nur reine SF sei, da dies "sicherlich die geschickteste Methode" sei, um echte Alien-Erfahrungen weiterzugeben und um sich vom "unendlichen Druck des Schweigens" zu befreien und um "den Eid nicht zu brechen". Als zusätzlichen Beweis brachte Rétyi ein, dass die Astronauten-Gemeinde so schlecht über das Thema UFOs zu sprechen ist, ja regelrecht unfreundlich wird, wenn man sie danach frägt - "so, als ob das alles zu gefährlich sei, zu ernst wäre". Dass dies nur deswegen geschieht, weil die Astronauten tatsächlich keine außerirdischen Besucher sahen und ihnen die Gerüchtebildung der UFOlogie und Medien zu weit geht, darauf kommt Rétyi natürlich nicht - einfach allein schon deswegen, weil dann die Fabeln rund um die Mondlandemissionen zusammenbrechen. Der letzte Flug eines Apollo-Raumschiffs fand im Rahmen des "Apollo-Sojus-Testprojekts" im Jahre 1975 statt. Erstmals unternahmen Amerikaner und Sowjets einen gemeinsamen Raumflug im Erdorbit und koppelten im Sommer ihre Raumschiffe dabei aneinander, erstmals treffen sich die beiden Weltraummächte im Weltraum zu einem gemeinsamen Unternehmen. Auch dies konnte nicht verhindern, dass der Kalte Krieg in den kommenden Jahren wieder besonders eisig wurde, weil US-Präsident Ronald Reagan in das SDI-Krieg der Sterne-Projekt vernarrt war. Die UdSSR zog sich zurück und blieb mit der Raumstation MIR lange Zeit als Prestigeobjekt allein, auch wenn sie sich nach einer dpa-Meldung aus Moskau vom 26.Januar 2000 einen "Sternen-Krieg auf Russisch" leistete: 

Die Sowjetunion hatte sich schon in den 70er Jahren ernsthaft auf einen "Krieg der Sterne" im Weltall vorbereitet und eine der ersten Raumstationen mit einer Bordkanone ausgerüstet. Die 23-Millimeter-Kanone der 1974 gestarteten Raumstation "Saljut-3" konnte sowohl von den Kosmonauten abgefeuert als auch von der Erde ferngesteuert werden, berichtete die Moskauer Tageszeitung "Trud". Mit der Waffe - einem modifizierten Bordgeschütz aus einem Kampfflugzeug - konnten feindliche Satelliten oder Raumschiffe in unmittelbarer Nähe der Station abgeschossen werden, hieß es. Auch die militärische Mission "Saljut-5" soll eine raumtaugliche Maschinenkanone an Bord geführt haben. Nach außen hin wurden diese Einsätze als "Materialforschung" ausgegeben, was ja tatsächlich auch stimmt, wenn man genau weiß um was es geht. Sechs Jahre lang hatte Amerika sich aus dem Weltraum zurückgezogen, dann wurde es wieder wagemutig. In dieser Ära lag die UFOlogie praktisch nieder. Und dann gingen 1977 zwei amerikanische Regisseure ins Rennen um das Kino-Publikum: George Lucas brachte den "Krieg der Sterne" (Star Wars) heraus und Steven Spielberg "Close Encounters of the Third Kind" (unglücklich 1978 in deutsch als "Unheimliche Begegnung..." gestartet). Beide Filme wurden Blockbuster-Hits und hatten einen unerwarteten Mega-Erfolg zu verzeichnen. Noch heute gehören sie zu den Top Ten der besten Filme. Das SF-Fieber brach aus, Hollywood belebte das SF-Genre neu und setzte ab sofort auf Computer-Animationen im Film. Auch hier konnte Amerika seinen technologischen Vorsprung beweisen, da man ab sofort Computertechnologie, High-Tech und Amerika in einem Atemzug erwähnte. Spielberg´s Film sollte mittelfristig auch die UFOlogie beleben, um über das Entführungsschema mit den kleinen grauen Aliens frischen Wind in das verschlafene Feld zu bringen. Die Phantastik brach im UFO-Feld aus während gleichsam der realen Eroberung des Weltraums mittels Raumfahrt eine goldene Zukunft zugeschrieben wurde. Und in der Wirklichkeit? Bereits drei Jahre nach der Mondlandung verkündete die NASA eine neue Vision - die bemannte Reise zu Mars. Ein geeignetes Weltraum-Flugzeug mußte dafür als erster Schritt gebaut werden. Ein solches Flugobjekt sollte aus zwei Komponenten bestehen: Eine Trägerrakete die eine Last von mehreren Tausend Tonnen in den Erdorbit bringt und ein raumschiff, welches im erdnahen Raum manövieren und seiner Besatzung über Wochen hin das Leben garantieren kann. 

Dieses Raumschiff sollte der Hitze des Wiedereintritts standhalten und beliebig oft wiederverwendbar sein. Daraus wurde der Raumgleiter, das Space Shuttle. Mit ihm sollte der Countdown hinaus ins Universum angezählt werden. Um dieses anspruchsvolle Projekt zu verwirklichen, mußten Wissenschaftler und Techniker ihr ganzes know how aufwenden, um dieser Herausforderung zu begegnen. Bis heute haben die Shuttle´s 500 Millionen Kilometer um die Erde überbrückt, dabei wurden Satelliten und Kommunikationseinrichtungen im Gewicht von mehreren tausend Tonnen bereits ausgesetzt - und schließlich wurde das Shuttle-System Ende der 90er Jahre zum Raumtransporter-System der Bauteile für die internationale Weltraumstation ISS. Ein Meilenstein in der Weltraumfahrt - und ein Wegweise in die Zukunft. Auch wenn die Weltöffentlichkeit die Shuttle-Missionen inzwischen als Routine nimmt ist die Weltraumfahrt weiterhin Abenteuer und Herausforderung für Mensch und Technik. Allein schon wegen den damit verbundenen menschlichen Entbehrungen im All die zu seelischem Stress führen - fehlende Sozialkontakte, Reizarmut, Eintönigkeit und die Enge. All dies ist wie eine Art "freiwilliger Knastaufenthalt" der exklusiven Art. Viele wollen im Space Shuttle fliegen, doch nur wenigen ist es vergönnt. Jede Mission kostet 1 Milliarde Mark. Mitzufliegen kann ein Traum sein, auf den die Missions-Spezialisten für Nutzlasten bzw Wissenschafts-Astronauten bis zu zwei Jahrzehnte zu warten haben, wenn überhaupt. Für einen Einsatz im All wird man geradezu auserwählt, so gaben es auch die Kontaktler der fünfziger Jahre vor, als sie für uns alle ihre Raumflüge an Bord von venusischen Fliegenden Untertassen unternahmen und unsere eigenen Wünsche damit befriedigten. Mit 28.000 km/h rasen dabei die echten Astronauten an Bord der Raumfahrzeuge irdischer Produktion und Denkleistung um den Globus und in 24 Stunden erleben sie 16 x den Sonnenaufgang... Zwischenstopp: Eine weitere Katastrophe ereignet sich, als die Sowjets im März 1980 versuchen, einen Spionagesatelliten ins All zu schießen. Kurz vor dem Start wird an der Trägerrakete ein Sauerstoffleck entdeckt. Um den Start nicht abbrechen zu müssen, wird das Leck mit einem ölgetränkten Lappen provisorisch gestopft. Dieser entzündet sich sofort. Es kommt zu einer gewaltigen Explosion. Das gesamte Einsatzteam, insgesamt 49 Menschen, sterben. Dies war nur ein weiteres Beispiel für die vielen geheim gehaltenen Unfälle und Katastrophen rund um den Flug in den Kosmos. Die Vertuschung der Sowjets hatte System, schließlich wollte man sich getreu dem Motto "Der Sozialismus siegt immer" gegenüber den Amerikanern keine Blöße geben. Zwar erfährt die Weltöffentlichkeit zunehmend mehr über das bisweilen tragische Schicksal der russischen Weltraumforscher, aber welche weiteren tragische Pannen es gab und wie viele Menschen dabei ihr Leben verloren lässt sich noch immer nicht genauer festmachen. Nur die komplette Durchsicht der entsprechenden Archivbestände könnte Klärung bringen - ein Unternehmen, das auch unter den gegenwärtigen Umständen kaum möglich scheint. Das 2000 Tonnen schwere Startsystem Space Shuttle Columbia startete am 12.April 1981 zum ersten Flug eines neues Raumflugkörpers, der wiederverwendbar wie ein Flugzeug war und eine neue Generation von Kosmos-Fliegern ging an den Start - aus den Risiko-Piloten der Streitkräfte wurden nun hauptsächlich hochprofessionelle, zivile Missions-Spezialisten auf wissenschaftlicher Exkursion, die weitaus öfters von den Hochschulen oder der Industrie kamen, als von der US Air Force. 

In Russland nahm man das zivile Shuttle aber als zunächst militärische Herausforderung an und man behielt es genau im Auge. Die politische und militärische Führung des Kremls war überzeugt, dass das Shuttle im Auftrag des Pentagons fliege und in Wirklichkeit ein Raumflugzeug sei, welches eine Anti-Satelliten-Waffe darstellt und einen potentiellen Bomber aus dem Orbit (deswegen wurde die Entscheidung getroffen ein Gegensystem zu entwickeln - Buran [Schneesturm] als Atombomben-Trägersystem für den Kosmos, um damit eine Superwaffe [orbitaler Atombomber] in der Hinterhand zu haben, die allen Abwehrsystemen überlegen ist). Das wechselseitige Misstrauen und die damit verbundene Paranoia führte zu einer sich immer schneller drehenden Spirale von Aktion und Gegenaktion. An genauen Informationen über das Treiben der jeweiligen Gegenseite mangelte es aber, wodurch die Furcht nur um so größer wurde. Schlußendlich misstrauten gar die eigenen Bevölkerungen den offiziellen Verlautbarungen ihrer Regierenden und brachten ihnen offene Skepsis entgegen. Die wahre Motivation der Machthaber in Sachen "Weltraumflug = Weltherrschaft" ging vielen Menschen bereits auf. Mittels der beiden 1000 Tonnen schweren Feststoffboostern wird das Shuttle in 2 Minuten auf 50 Km Höhe geschossen, dann werden die beiden Feststoffraketen-Hüllen abgestoßen und an Fallschirmen zu Wasser gelassen, neu beschickt und für die nächste Mission verwendet. Der externe Shuttle-Tank für den Flüssigtreibstoff reicht mit seiner Füllung etwa acht Minuten lang und wird kurz vor Erreichen des Orbits ebenfalls vom eigentlichen Space Shuttle abgesprengt, er wird zu Weltraummüll und verglüht in der Erdatmosphäre. Das Weltraum-Taxi besitzt eine 18 x 5 Metern meßende Ladebucht, in der sie entweder Satelliten mit hoch nehmen oder von dort zurückholen können. Das Abholen von "Weltraumpost" war bisher in diesem Umfang unmöglich gewesen. Nach der Rückkehr dauerte es Monate, bis das Shuttle wieder zum jeweiligen Missions-Preis von $ 500 bis 750 Millionen einsatzbereit ist. Mit dem Space Shuttle begann dann die wirkliche wissenschaftliche Grundlagenforschung im Weltraum, die sowohl kommerzielle, militärische wie auch mindestens genauso stark rein wissenschaftliche Zwecke erfüllte (und auch die ersten Amerikanerinnen in den Weltraum brachte, genauso wie gemischte Besatzungen aus unterschiedlichen Ländern wie beim sowjetisch/russischen MIR-Projekt, wo dies inzwischen ebenso zum Alltag gehörte). Bis auf kurze Pausen sind die Wissenschafts-Astronauten dort rund um die Uhr beschäftigt, schließlich haben sie die teurersten Arbeitsplätze auf der 'Welt'. Dennoch, wie bei vielen irdischen Arbeitsplätzen ist auch dort oben im Shuttle der Platz am Fenster der beliebteste. 

Die STS-90-Astronautin Kathy Heil wurde von einem Schulkind nach ihrer Mission einmal gefragt, ob sie und ihre Kollegen jemals da oben Aliens gesehen haben. Heil antwortete: "Nein, aber wir halten nach ihnen Ausschau. Wir werden nicht aufhören in die Tiefen des Alls hineinzuhören und mit unseren Teleskopen nach fremden Leben zu suchen, was es bestimmt irgendwo gibt." Der Höhepunkt, wenn inzwischen auch recht unspektakulär weil Alltag: Koppelungen der amerikanischen Shuttles an der russischen MIR, um Mannschaften auszutauschen oder Versorgungsgüter dorthin zu bringen. Heute schaut die MIR eher wie ein Souvenirladen als eine Weltraumbasis aus. Beste Voraussetzung für die gemeinsame Internationale Raumstation ISS, deren ersten Bauteile 1999 in den Kosmos kamen und die schließlich 100 Milliarden Dollar kosten wird. Dennoch, auch das Space Shuttle-Program brachte eine grauenvolle Katastrophe mit sich, die uns alle erschütterte: An Bord der Challenger (Mission STS-51L) unter Kommander Dick Scobee ist erstmals ein Weltraumtourist, eine Lehrerin, um die 25. Shuttle-Unternehmung am 28.Januar 1986 zu begleiten. Der Start verläuft planmäßig, 78 Sekunden lang ist alles in Ordnung und wie gewohnt, doch dann ein großer Knall und eine gewaltige Explosion am Himmel - das ganze System vergeht in einem Feuerball hoch oben an der Küste Floridas. Blankes Entsetzen, Fassungslosigkeit - sieben Menschen verglühen in einem Feuerblitz. Ihre Angehörigen am Boden, die den Start an der Weltraum-Rampe in Florida voller Freude und Stolz beobachten, sind zum Zuschauen verdammt, können nicht eingreifen, helfen und überhaupt nichts tun - nur zuschauen was da hoch am Himmel passiert und den puren Terror anzeigt. Im Kontrollzentrum ist man wie paralysiert. CNN ist live dabei als das Schreckliche geschieht, Millionen an den Fernsehschirmen zucken zusammen, Zehntausende am Startkomplex stehen unter Schock. Sieben Astronauten sind soeben vor unseren Augen gestorben. Fassungslosigkeit macht sich breit, viele Menschen brechen in Tränen aus - ich auch, als ich die Bilder erstmals sah - weil ein Traum des Menschen in einem Feuerball unterging und sieben Menschen sich dafür, und damit für uns alle, geopfert hatten. 

Sieben Menschen ließen ihr Leben für diese Vision, für diesen Traum des menschlichen Kollektivs - gleichzeitig ist dies aber auch soetwas wie der letzte Dienst gewesen. Zahlreiche Kameras der NASA verfolgten aus verschiedenen Positionen das Geschehen routinemäßig, deren Aufnahmen dienten später zur Analyse des Dramas. Die Challenger-Katastrophe traf die NASA eiskalt, es war der größte anzunehmende Unfall. Ein kosmischer GAU der zeigte, dass die Weltraumfahrt kein Kinderspiel ist. Das Shuttle-Programm wird 18 Monate lang gestoppt, es ruhten alle NASA-Aktivitäten und neu konzipiert geht es wieder an den Start, die Sicherheit wird großgeschrieben. Lähmendes Entsetzen legte sich über das Land, binnen Sekunden ist der unerschütterliche Glauben an die amerikanische Raumfahrt gebrochen. Ein Land trauerte mit den Angehörigen. Challenger darf sich nicht mehr wiederholen. Der Präsident setzte eine Untersuchungs-Kommission ein. Es wurde eine gewaltige Suchaktion vor der Küste Floridas in Gang gesetzt mittels der man versuchte soviele Teile des Shuttles und ihres externen Tanks bzw Feststoffraketen wie möglich zu bergen, um daraus das Raumgefährt wieder zu rekonstruieren und den Unfallverursacher festzumachen. Zweiundzwanzig Schiffe, sechs U-Boote und 33 Flugzeuge nahmen daran teil - um schließlich knapp die Hälfte des gesamten Fahrzeugs zu bergen, verstreut am Rande des Golfstroms auf einer Fläche von 160.000 Quadratkilometern Meeresfläche. Die Mannschaftskapsel (bzw ihre Überreste) der Challenger ist heute in einem ausgedienten Raketensilo untergebracht, weil die NASA nicht wollte, das irgendwelche Sammler oder Souvenir-Jäger mit den Teilen Handel treiben können. Deswegen wollte man die Überreste vor dem unerwünschten Zugriff sicher verwahren und versiegelte ihn mit einem 50 Tonnen schweren Betonpropfen. Eine simple Gummidruckdichtung an der hinteren Sektion der rechten Feststoffrakete war der Grund für das unglückliche Feuerwerk gewesen, aufgrund der vorherrschenden aussergewöhnlichen Kälte an jenem Tag war sie porös geworden, ihre Mehrfachverwendung hatte sie verschließen und hielt den mechanischen Belastungen während des Flugs nicht mehr aus. Daraufhin wurden die Entscheidungsstrukturen bei der NASA zu jedem neuen Shuttle-Start verändert und ab sofort wurde vor jedem Start ein sogenannten "face-to-face-meeting" angesetzt, d.h. es gibt einen langen Tisch und auf der einen Seite sitzen die Astronauten und auf der anderen die jeweils Verantwortlichen für alle einzelnen Systemelemente. Und die Astronauten stellen jedem Einzelnen dann die entscheidende Frage: "Ist das Schiff sicher? Gibt es Probleme? Wenn ja, hast Du sie gut gelöst? Denke daran, unser Leben hängt davon ab..." Da müssen sie nun Rede und Antwort stehen, Auge in Auge mit jenen Personen, deren Leben von ihnen abhängt. Auf ein Heer von namenlosen Spezialisten gestützt riskiert eine kleine Gruppe ihr Leben um zum zeitlosen Repräsentanten einer kollektiven Sehnsucht zu werden... Hier soll auch kurz die Historie des über 3 Milliarden Mark teuren Weltraumteleskops "Hubble" (vier Stockwerke hoch, elf Tonnen schwer - benannt nach Edwin Hubble) erwähnt werden, welches durch ein Space Shuttle etwa 600 km hoch in den Himmel gehievt wurde, um den Blick des Menschen in den Kosmos zu schärfen, um unser "Fenster zum Kosmos" darzustellen. 

"Hubble" liefert uns seither schöne, ästhetische und scharfe Bilder aus den Tiefen des Universums... Das Hubble Space Telescope wäre um ein Haar zur teuersten Panne der Wissenschaft geworden, weil unser "Auge im All" kurzsichtig war und die weltbesten Wissenschaftler sich um 2/1000 Millimeter beim Polieren des 2 1/2 Meter durchmessenden Teleskopspiegels vertan hatten. Die amerikanische NASA und Europische Raumfahrtbehörde ESA schoßen am 25. April 1990 Hubble an Bord der "Discovery" an den Rand der Erdatmosphäre, um Bilder aus dem Universum zu bekommen, wie man sie noch nie zuvor gesehen hatte. Einige Tausend Astronomen, Techniker, Physiker und optische Spezialisten hatten einen Teil ihres Lebens damit aufgebracht, dieses gewaltige Unternehmen zum Fortschritt der kosmologischen Sicht des Menschen auf das Sein um uns herum voranzubringen. Und so taucht auch Lyman Spitzer wieder auf, der über zwanzig Berufsjahre lang auf das Projekt hingearbeitet hatte (und dafür in den sauren Apfel biss und am Weltraum-Spionageprogramm teilnahm), um seinen alten Traum von 1946 zu verwirklichen (manchmal werden fantastische Träume also doch wahr) und das "Go!" für sein System zu vernehmen. Die astronomische Welt hielt den Atem an als der kosmische Späher die ersten Bilder vom Anfang und Zustand des Universums liefern sollte. Erst 1977 hatte der US-Kongreß sich nach Jahrzehnten der Planung am Space Telescope Science Institute sich bereit erklärt für Hubble mehrere Hundert-Millionen-Dollar zur Verfügung zu stellen. Gebau wurde das zivile Weltraum-Beobachtungs-Instrument von der US-Firma Perkin Elmer, die vorher bereits im Spionagegeschäft die optischen Instrumente für die Keyhole-Satelliten lieferte. Zunächst sollte bereits 1983 der Start von Hubble erfolgen, der Zeitrahmen konnte aber nicht eingehalten werden und man mußte ihn um drei Jahre verschieben - doch dann explodierte das Startsystem Challenger und der Hubble-Start mußte erneut verschoben werden. So wurde Hubble auch zum politischen Instrument für die NASA, damit sie ihr Vertrauen in der Öffentlichkeit an das Space Shuttle zurückgewinnen konnte. Da hatten die Astronomen das leistungsfähigste Fernrohr überhaupt gebaut und es lieferte nur unscharfe Bilder weil es einen kleinen Fehler in der Krümmung des Spiegels gab, es versagte. Im NASA-HQ herrschte Ungläubigkeit und Panik ob diesen Flops, der aufgrund mangelhafter Qualitätskontrolle zustandegekommen war. Die NASA entschloß sich einen Reparatur-Trupp hochzuschicken und Hubble an Ort nachzujustieren und "eine Brille" einzubauen. Dies war möglich weil das optische Instrument von Anfang an als wartbares Gerät mit auswechselbaren Moduln entwickelt wurde, um jeweils auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden zu können. Das war eine heikle Situation für die NASA, weil der Kongress drohte, dass wenn dieser 1 Milliarde Mark teure "Service-Job" im All nicht klappte, man die Mittel für die Internationale Weltraumstation ihr streichen würde. Die mächtige Weltraumbehörde stand wegen eines haarkleinen Fehlers schier vor dem finanziellen Aus - und das obwohl es ihr bereits gelungen war Menschen zum Mond und zur Erde wieder zurück zu bringen! Die Zukunft der US-Raumfahrt stand auf dem Prüfstand, man mußte Hubble eine Brille verpassen. 

Als am 2. Dezember 1993 die Raumfähre Endeavour zur Mission STS-61 aufbricht war die Spannung bei der NASA unerträglich geworden. Die Astronauten unter der Leitung des NASA-Veteran-Astronauten Story Musgrave (damals 59 Jahre alt) leisteten nach einem Jahr harter und intensiver Ausbildung für die Aufgabe perfekte Arbeit mit fünf "space walks" in ihren klobigen Anzügen mit denen sie eine absurde Aufgabe durchzuführen hatten. Es war als wenn man mit Skihandschuhen ein schweizer Uhrwerk reparieren wollen - und zwei Wochen später klang ein Jubelruf durch die Hallen der altehrwürdigen NASA als die ersten gestochen scharfen Bilder aus nie gekannten Weltraumgefilden einliefen, in einer fantastischen Klarheit. Seither liefert das Weltraumteleskop Bilder die einfach wunderschön und atemberaubend sind - auch wenn Hubble pro Jahr 350 Millionen DM an Betriebskosten verschlingt. Seither wurde das Space-Telescope immer wieder mal angeflogen, um es nachzurüsten und Serviceleistungen vorzunehmen. Was die Aufnahmen von Hubble boten, veränderte auch die Sicht auf den Kosmos grundsätzlich und ein großer Wurf nach vorne. Man konnte nun Fragen beantworten, die sich die Wissenschaft vorher noch nicht einmal traute zu stellen. Man erinnere sich nur an die Bilder die Hubble von den Kometensplitter-Einschlägen auf dem Nachbarplaneten Jupiter im Juli 1994 lieferte. Die Wissenschaftler waren damals von den "live'-Bildern völlig perplex und fast konnten sie gar nicht mehr klar denken, da sie dort in der Ferne unseres Sonnensystems ein kleines Armageddon (in Relation zu dem Planetenriesen Jupiter!) miterleben konnten. Soetwas hatte es noch nie gegeben und war nur Dank Hubble möglich gewesen. Wenn unser Auge im All schon solche aufregenden Dinge in unserer nächsten Nahe ausfindig machen konnte, was würde es dann erst in den Tiefen des Weltraums noch entdecken...? Mehr und mehr wurde an faszierenden Bildern geliefert, die sich noch kein Hollywood-SF-Dirigent ausgedacht hatte. Das Ende des Kalten Kriegs und der UdSSR machte schließlich aus den einstigen Rivalen bemerkenswert gut zusammenarbeitende Partner, zumindest im erdnahen Kosmos. 1995 koppelte erstmals der US-Shuttle Atlantis an die nunmehr russische Orbitalstation MIR an während man am Boden die Vorbereitungen für das international Raumstations-Projekt vorantrieb. Nie vorher gekannte Finanzierungsproblem jedoch lassen den russischen Anteil eher mager ausfallen, ohne private Mittel aus dem Ausland kommt die russische Raumfahrt heute nicht mehr aus während amerikanische Shuttle-Stars fast schon Routine geworden sind - in einer technischen Infrastruktur die soetwas wie das "Erste moderne Weltwunder" ist, wenn man die Dimensionen dessen Einzelkomponenten betrachtet. Montagehalle, Kräne, Gerüste, Transportfahrzeug und überhaupt der ganze Startkomplex sind die technischen Brüder und die reale Heimstatt von Godzilla. Dennoch, zumindest in Amerika gibt es richtiggehend einen "Weltraum-Tourismus". Zehntausende Menschen reisen aus dem ganzen Land zu jedem neuerlichen Raketen- oder Shuttle-Start an, insbesondere nächtliche Starts wirken nach wie vor wie ein Magnet. Soetwas muß etwas ganz Besonderes sein, es gibt genug Menschen, die bei jedem Start dabeisein wollen, um das Apollo 11-Feeling vom 21. Juli 1969 immer wieder neu zu erleben. 

Der erhabene Start einer Weltraumrakete in kosmische Weiten... Die Sicht und Vision des Menschen unserer Zeit ist kosmisch geworden und immer noch ist die Begeisterung für Weltraumprogramme da, der Weltraum ist noch lange kein grauer Alltag, sondern die unendliche Finsternis des Universums und all die Lichtpunkte und kosmischen Farbkleckse üben eine Faszination wie kaum etwas anderes aus. Wir sind der Magie des Kosmos nach wie vor erlegen. Von den Kapazitäten her wäre Amerika imstande pro Jahr zwölf Shuttle-Missionen zu fliegen, aber das NASA-Budget reicht nur für 6-8 Einsätze. Nach wie vor ist Weltraumfahrt teuer, auch wenn sie überaus wertvoll für das politische und militärische Ansehen eines Landes sind. Es ist nach wie vor einfach viel zu teuer, Nutzlast in den Kosmos zu bringen. Der Traum von einem wiederverwenbaren Weltraumfahrzeug mit vertretbaren Kosten ist nach wie vor in weiter Ferne - aber es wird daran gearbeitet. Weltraumprogramme setzen zudem Signale. Deshalb wird auch so lange an der russischen MIR von Moskau festgehalten. Während in den 60er Jahren sich die UdSSR die Kosmonautik als staatliches Prestigeobjekt sehr viel Geld kosten ließ, schlitterte das große Land immer tiefer in eine ökonomische Krise. Die Strategische Verteidigungs-Initiative Reagan´s, aus der auch die Tarnkappen-Flugzeuge schließlich entsprangen, hätten der UdSRR und dem Warschauer Pakt den Kopf gekostet. Das unendliche Wettrüsten war einfach nicht mehr bezahlbar, gerade auch wegen den nun miteinzubeziehenden Dimensionen des Kosmos. Während das westliche System schon aus dem Apollo-Programm mit einem Wirtschaftsboom und hohem Wohlstand hervorging, war es hinter dem Eisernen Vorhang immer frostiger für den Menschen geworden. Schließlich brach mit der Demokratie-Bewegung auch der Warschauer Pakt, der Kommunismus landete auf dem Scheiterhaufen der Geschichte und die UdSSR zerbrach in die Gemeinschaft unabhängiger Staaten der GUS. Während einige wenige auf undurchsichtigen Wegen plötzlich russische Kapitalisten wurden, vergrößerte sich die wirtschaftliche Flaute. 

Während man früher alles in die Raumfahrt steckte, war plötzlich hierfür das Geld weg. Ehrgeizige und aufwendige Projekte kann sich Russland heute nicht mehr selbstständig leisten. Und um selbst die MIR noch am Leben zu erhalten, müßen Geldgeber aus dem ehemals verhaßten Westen gefunden werden, um als Sponsoren zu dienen. Niemand hätte vor knapp fünfzehn Jahren gedacht, als die MIR hochgeschossen wurde, dass man an Bord mal Werbeclips für Softdrinks oder Unterwäsche drehen würde. Gerüchte, wonach man sogar an Bord der MIR 1998 einen Pornofilm namens "Uranus-Projekt" gedreht haben soll, kann man aber nur bösartig und verrückt nennen. Die ISS (International Space Station), der Mars-Pathfinder, das Hubble-Weltraumteleskop und Jonn Glenn´s zweite Rückkehr in der Erdorbit stehen für eines: Das Weltall wird für den Menschen kleiner, doch die Herausforderungen des Kosmos für uns immer größer. Warum? Die Terraner sind auf der Suche nach ihren außerirdischen Brüdern und Schwestern auf einer zweiten Erde. Mit Sicherheit wird der Mensch auch wieder auf den Mond zurückkehren und er wird sich auch noch weiter wagen. Dazu sind die Projekte Lunar Prospector und die Entdeckung von Wassereis im ewigen Schatten der lunaren Polkrater viel zu herausfordernd. Und auch die Kommerzalisierung des Alls geht voran. Eine Firma namens Applied Space Resources entwickelt bereits Pläne, 10 bis 15 Kilogramm Mondgestein vom Mare Nectaris zu holen und für 3000 bis 5000 Dollar pro Gramm zu verkaufen. 1984 fand in Washington das erste Lunar Base Symposium statt und zur Erschließung des Mondes hat die NASA bereits vor Jahren das Projekt Common Lunar Lander ins Leben gerufen um das Ziel zur Errichtung einer ständig bemannten Station auf der Mondoberfläche zu verwirklichen. Der erste extraterrestrische Stützpunkt des Menschen im All! Anläßlich des 20. Jahrestags der ersten Mondlandung hatte sich schon US-Präsident George Bush für eine bemannte Mondbasis ausgesprochen - technisch gesehen wäre soetwas in spätestens zehn Jahren möglich. Doch durch die ISS mit rund 100 Milliarden Dollar sind die Weltraumfahrtgelder gebunden und die damit verbundenen Verzögerungen zeigen die Schwierigkeiten auf, die solche Großprojekte ohne Gleichen produzieren. Aber wohin auch immer die Menschen im Universum gehen werden, diese ersten Besucher in einer anderen Welt in den Jahren 1969 bis 1972 werden in der Erinnerung weiterleben als Kapitel 1 des großen Abenteuers... Der Traum von der weiteren Eroberung und gar Besiedelung des Weltraums ist noch nicht ausgeträumt - und zwar nicht mehr als nationales Unternehmen (weil zu teuer und selbst für einen Wirtschaftsgiganten wie die USA einfach unbezahlbar), sondern als vereinigtes Werk irdischer Weltraumnationen wobei man auf die russischen Erfahrungen mit Langzeitaufenthalten in der Schwerelosigkeit an Bord der MIR aufbaut. Und im sogenannten "Sternen-Städtchen" unweit Moskaus, welches vormals streng-abgeschirmt sein Dasein fristete, üben heute amerikanische, europäische, japanische und GUS-Weltraumeroberer gemeinsam für den Dienst an Bord der ISS und im russischen Weltraumkontrollzentrum hängen Werbeplakate von Omega und Hewlett-Packard unter den riesigen Kontrollmonitoren der Wand. Vor zehn Jahren noch hätte man jenen für verrückt erklärt, der dies prognostizierte. Noch nicht einmal wagemutige "Hellseher" und "Wahrsager" hatten dies vorausgesagt... 

Die NASA selbst setzte auf ein neues Konzept für (unbemannte) Weltraumsonden namens "Faster-Cheaper-Better" (schneller, billiger, besser) mit dem sie einige Jahre lang glaubte gut zu fahren, doch als es zu Fehlern mit dem Marsprojekt "Polar Lander" kam, die zu seinem Absturz führten, mußte die amerikanische Weltraumbehörde Ende März 2000 eingestehen, mit diesem Konzept an die Grenzen gestoßen zu sein und Weltraumfahrt eben seinen Preis in Sachen technischer Qualität haben muß. Die Versuche mit einem immer engeren Budget auskommen zu müssen, und immer prestigeträchtigere Unternehmen zu wagen, scheiderten. Es gab fatale Auswirkungen weil die Mitarbeiter an vielen Projekten einfach überfordert sind und bei häufig 80-Stunden-Wochen viele Fehler übersehen werden und überlastete Projektleiter auf notwendige Tests verzichteten, um im Plan zu bleiben. Die Folge: eine für 2001 bereits fest geplante Landung einer Mars-Sonde wurde gestrichen... Natürlich war es nicht "vernünftig" zum Mond zu fliegen, diesen Hopser zu einer "anderen Welt" zu machen. Aber er war sogar der helle Wahnsinn, eine Geldverschwendung, weil auch noch heute nur 1 % der Gesamtraketenmasse als Nutzlast genutzt werden kann (nach wie vor sind 90 % einer Rakete purer Treibstoff, 9 % macht der Raketenkörper selbst aus). Und doch war es richtig. Manche Verschwendung ist doch sinnvoll. Das Abenteuer Mondflug tat der Menschheit gut. Es lehrte uns, als wir es besonders dringend nötig hatten, dass wir alle - Russen und Amerikaner, Schwarze, Gelbe und Weiße, Frauen und Männer - in demselben Raumschiff Erde sitzen. Es lehrte uns, wie wichtig es ist, träumen zu können und sich Ziele zu setzen. Und dass es möglich ist, fast jedes noch zu hehre Ziel auch zu erreichen. Deswegen wurde John Fitzgerald Kennedy zum Mythos der unzerbrüchlich mit dem Raumfahrt-Mythos verbunden ist. Von einer wirklichen "Eroberung des Weltraums" zum gegenwärtigen Zeitpunkt unserer Historie zu reden ist eigentlich wahnwitzig, da wir uns gerade einmal zum Erdtrabanten bewegt haben. Eine echte Raumfahrt ist dies noch lange nicht und die Apollo-Kapseln sind nur unter idealistischem Blickpunkt "Raumschiffe". Ob wir jemals tatsächlich den SF-Traum von der wirklichen Raumfahrt uns erfüllen können? Wer weiß? Schnell ist man mit Begriffen wie Lichtgeschwindigkeit und Lichtjahren bei Hand, aber die damit verbundenen kosmischen Dimensionen für einen wahren Raumflug in einem echten Raumschiff werden vielleicht in folgendem Modell klarer. Nehmen wir unser Sonnensystem her, im Maßstab 1 zu 10 Milliarden. Die Sonne fiel dann als Ball mit rund 14 cm Durchmesser aus. Die liebe Mutter Erde umkreist diesen Ball dann als stecknadelkopfgroßes Pünktchen in etwa 15 Metern Distanz. Der mächtige Jupiter wäre dann groß wie eine Kirsche, aber 77 m weit von dem Zentralgestirn entfernt. Der kalte und äußerste Planet Pluto müßten wir 600 Meter weit ansiedeln. 

Der der Sonne am nächsten stehende Stern ist real mehr als 4 Lichtjahre entfernt - auf unser Modell übertragen wäre er dann 400 Kilometer weit von uns weg. In kosmischen Dimensionen immer noch ein Nichts! Unsere eigene Milchstraße hat einen Durchmesser aber von 100.000 Lichtjahren und der Andromeda-Nebel, die Galaxis vor unserer kosmischen Haustüre, ist mehr als 2 Millionen Lichtjahre wieder von uns entfernt... Darüber hinaus gibt es noch ein anderes Problem, welches übersehen wird. Nicht nur die Frage nach der Lichtgeschwindigkeit muß gestellt werden, sondern auch die Grenzen und Gefahren die mit dem Erreichen eines Raumschiffes mit unendlicher Masse bei Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit müßen aufgezeichnet werden. Hinterlich sind dabei nicht nur "Sandkörner" und Staubteilchen in der Unendlichkeit des "Leeraums", sondern auch das interstellare Gas. Denn bei hohen Geschwindigkeiten, die noch weit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit liegen, wird das Bombardement mit interstellarem Wasserstoff und anderen Atomen bereits so hoch, dass diese Reibung das Raumschiff abbremst und seine Oberfläche zum Schmelzen bringen würde. Ganz zu schweigen, wenn ein Raumschiff mit einem in die Flugbahn kommenden Meteoriten zusammenstößt. Da machts nämlich ganz schön Bumms... Mission to Mars Das einzige Ziel, welches der bemannten Raumforschung wirklich noch auf den Fingern brennt ist der rote Planet Mars, der 4. Brocken nach der Sonne und seit Jahrhunderten im ganz besonderen Blick des Menschen. Er ist der einzige Planet den wir kennen, auf dem es zwar nur eine entfernte Chance gibt, noch Lebensspuren zu finden, aber diese ungleich höher ist als auf allen anderen Planeten jenseits der Erde. Zudem ist der 4.Brocken des solaren Planetensystems vielleicht einmal interessant, um mittels "Terraforming"* daraus soetwas wie eine Art "zweite Erde" zu machen, wenn es auf Mutter Erde für uns als Menschen zu eng wird. Mit den heutigen Mitteln und Technologien würde der Flug dorthin über ein Jahr andauern und würde einen richtigen Weltraumflug bedeuten. Doch die "Mission to Mars" ist nicht ohne und hat es in sich. Die Reise zum Mars wird heroisch ausfallen und allen denkbaren Mut fordern, weil zum ersten Mal die Astronauten ihre Verbindung zur Erde aufgeben werden um sich mit der Unendlichkeit des Sonnensystems und seiner Leere auseinandersetzen müßen. Sie werden die 'psychologische Nabelschnur' durch die Sicht auf den Mutterplaneten verlieren, ähnlich wie zu Beginn der Ozeaneroberung, wenn das Festland außer Sicht geraten ist. Das Raumschiff wird ein winziger Außenposten und knapp-dimensionierter, künstlicher kleiner Lebensraum unterwegs im Nichts sein. Der Flug zum Mond war nur ein Hopser gewesen, die Astronauten waren nur ein paar Tage hin und zurück unterwegs, hatten klar die Erde im Rücken und den Mond 'zum Greifen nahe' vor sich - auch die MIR-Crews verblieben trotz Langzeitaufenthalt im Orbit immer noch an der Nabelschnur der irdischen Mutter und in Sicht der Welt, unserer und ihrer Welt. In der Erdumlaufbahn gab es immer den Rettungsanker, dass man die Crews in Problemfällen zurückholen kann, bei zwei MIR-Mannschaften war dies tatsächlich auch notwendig geworden, weil sie am durchdrehen waren. Zudem gibt es das "Gefängnis-Syndrom" da oben, wenn man also längere Zeit auf engstem Raum miteinander auskommen muß und einem alsbald die 'Macken' und Eigenarten des 'Zellengenossen' ertragen muß. Einige Wochen geht das noch gut, dann kann dies aber zu seelischem Sprengstoff werden. Ja, es gibt immer wieder Situationen von "Weltraum-Koller" die man bei Langzeitaufenthalten mit den damit verbundenen extremen Lebensbedingungen auf der MIR beobachtete und es für die menschlichen Konfliktparteien dort kein Entrinnen gibt um sich nicht weiter auf den Geist zu gehen. 

*= Darunter versteht man die Umwandlung des Wüstenplaneten Mars in soetwas wie eine blühende Erde. Doch dies ist ein sehr gewagtes Unterfangen und wird über 1000 Jahre dauern und selbst danach wird der Mensch dort nicht ohne geschützte, abgeschirmte Unterkünfte auskommen. Ob man jemals ohne technische Hilfsmittel auf dem Mars leben wird können ist fraglich - von den damit verbundenen Kosten ganz zu schweigen. Um aus einem Erdmenschen einen "Marsmenschen" zu machen wird so leicht nicht sein. Auch wenn wohl die ersten "Marsmenschen" von der Erde kommen werden. Egal, die Bedingungen auf dem Mars werden nie wie die auf der Erde sein. Allein die weitaus schwächere Marsanziehungskraft (Gravitation) bringt wohl ungeahnte Probleme mit sich und kann alle Terraforming-Bemühungen zur Begrünung und Bewässerung des Mars zunichte machen. Wie auch immer, die Besiedelung des Mars ist mit der fundamentalen Frage verbunden, ob das Leben eine Zukunft im Weltraum hat. Die MIR-Erfahrung zeigt, das nach etwa sechs Wochen diese Situation eintritt, egal wie gut man das Personal psychologisch aufeinander abgestimmt in den Einsatz schickte. Die Weltraumfahrer entwickeln Heimweh und den Wunsch zu Familie und Freunden zurückzukehren. Motivationsverlust, Schlafprobleme, Passivität und Aggressivität sind hier bereits regelmäßig von den Weltraum-Psychologen beobachtet worden. Der Flug zum Mars läßt für den sie durchführenden Menschen die Mutter Erde, der Blaue Planet, erstmals aber völlig zurück (er wird kleiner und kleiner, um schließlich ganz aus dem Gesichtskreis zu verschwinden während rundum nur das Dunkle des Alls in all seiner Geräuschlosigkeit vorherrscht) und ist ein abgeschlossenes Langzeitprogramm für die im Raumschiff 'eingesperrten' Astronauten (so freiwillig sie es auch tun mögen und mit allem Enthusiasmus das Unternehmen angehen werden) - nicht nur mit physischen Einschränkungen (man kommt aus dem Raumschiff und seinem limitierten Volumen sowie Nutzraum nicht heraus), sondern auch mit psychischen Problemen ("Big Brother"-Kontainerleben hoch Zehn, um es noch in harmlosen Kategorien einzubringen, doch die wahren Dimensionen sind weitaus problematischer für Mensch und Geist, Seele und Verstand). Von diesen signifikanten Problemen hat kaum jemand eine Ahnung und Vorstellung, der in brennenden Worten und fiebrigen Fantasien vom Mars-Flug (oder gar noch weiter hinaus) schwärmt. Das Leben im All hinterläßt beim Menschen Spuren und macht ihn kosmisch einsam. Ein "Urlaub" ist der Flug zum Mars sicherlich nicht, gerade auch wenn man bedenkt, dass damit natürlich auch eine Mission auf dem Mars verbunden ist und man zeitlich diese nicht mit den Apollo-Mondlandungen vergleichen kann, allein weil die irdischen "Marsianer" etwa drei Jahre lang den irdischen Mutter-Boden unter sich verlieren werden und auf die irdische Schönheit des Blauen Planeten (und seiner Vorzüge dort) absolut und unabgekehrbar verzichten müßen. Der Anblick auf die Erde - davon müssen sich Mars-Besucher verabschieden, sie werden die Nabelschnur durchtrennen müßen und sind dann auf sich alleine gestellt. Sie müssen dann durchhalten - dazu ist der Aufwand des Flugs viel zu groß. Ein Mars-wir-kommen-Projekt wird die betroffenen Astronauten-Menschen jahrelang von der Heimat wegführen und die Teilnehmer dieser Expedition auf sich alleine gestellt lassen. Hilfe wird es für sie nicht geben, auch wenn schließlich die Erde für sie nur wie z.B. die Venus für uns am nächtlichen Himmel ausschauen wird. Schon Langzeitaufenthaltsexperimente in der sogenannten "Biosphären-Glasstadt" von Arizona zeigten auf, dass die Menschen sich nach einiger Zeit auf den Nerv gehen - dort aber fanden sie eine verhältnismäßiges riesiges Areal für sich vor, welches eindeutig auf irdischem Boden stand und eine natürliche Umwelt beherbergte. Russische Langzeitexperimente in MIR-ähnlichen Strukturen (schlußendlich enge Konservenbüchsen) nahe des sogenannten "Weltraumstädtchens" zeigten auf, dass Mann und Frau auf sich alleingestellt nicht miteinander zurecht kommen und die Frauen aus Angst vor sexuellen Übergriffen ihrer männlichen Partner mit dem Messer unter dem Kopfkissen schliefen*. 

Wir sehen, neben der Klaustrophopie kommen noch andere Probleme hinzu, die das miteinander auskommen und miteinander arbeiten nicht nur erschweren, sondern auch schier unmöglich machen. Und all diese gesammelten Erfahrungen machte man auf der Erde, wo die Menschen schlußendlich wußten, dass nur eine Türe sie von der wirklichen Heimat trennt und durch die sie jederzeit gehen konnten, wenn es unerträglich wird. Selbst Psychologen, die solche Mannschaften in diesen Tests begleiteten bekamen schließlich Probleme mit sich und den anderen. Der Flug zum Mars, wir erkennen es jetzt (und wir kratzen dabei nur an der Oberfläche), ist ausgesprochen "menschenfeindlich". Und die, die dorthin fliegen, müßen damit rechnen, dass der Flug dorthin ein "never come back" bedeutet. *= 110 Tage lebten sieben Männer und eien Frau im russischen Modell einer Raumstation zusammen. Die Frau war Judith Lapierre, Sozialmedizinerin aus Ottawa für die kanadische Raumfahrtagentur CSA, die im Winter 1999 zu einer "Isolationsstudie" beim Institut für Biomedizinische Probleme in Moskau geschickt wurde, um Erkenntnisse für das künftige Zusammenleben auf der Raumstation ISS zu liefern. Zunächst waren die Russen oftmals betrunken gewesen, die Bilder von lachenden Kosmonauten sind nur für die Kamera. Nach zwei Wochen begann es: Die Frau wurde massiv von einem Kollegen 'belästigt', der ihr einen Zungenkuss verpasste. Nach dem Experiment beschwerte sich die Frau bei ihrer Raumfahrtagentur betreffs "Sexual Harassment". Niemand reagierte. Aber dies soll kein Einzelfall sein. Bereits die NASA hatte mit Fällen sexueller Belästigung in der Vergangenheit zu tun, aber dies klammert man gerne aus. Von der Infrastruktur her ist der Marsflug ein gewaltiges Unternehmen, welches keineswegs nur von Amerika finanzierbar sein wird. Die Mars-Mission wird ein internationales Raumfahrt-Unternehmen werden und die Menschheit schlichthin präsentieren. Ein nationales Familienspiel wird es nicht geben, auch wenn Russland und Amerika bisher eigenständige Pläne entwickelt haben. Man kann sich nicht einfach ins Space Shuttle setzen und dorthin fliegen, wie es ein US-Fernsehfilm namens "Fluchtziel Mars" 1999 vorgaukelte. Man benötigt hierfür ein ganz neues Raumschiff, eines groß und mächtig wie man es bisher noch nicht kannte und welches erst im Erdorbit zusammengebaut wird und weit über die Dimensionen der ISS hinausgeht. Während des Flugs hin zum Mars wird es schon hinter der Mondbahn keinen "point of return" mehr geben, dann muß die Mission gnadenlos durchgezogen werden. 160 Millionen Kilometer leeren Weltalls wird vor der Mission to Mars bei der größten "Annäherung" des Planeten zur Erde liegen, der Blick aus dem Fenster wird nur Schwärze zeigen und nicht wie bisher die Erde bei Raumfahrtaktivitäten. Ein Grund für erheblichen, zusätzlichen Streß auf dem Weg ins Unvorstellbare und Unbekannte. Schon eine Woche nach Start der Mission wird es keine normale Funkverbindung mehr mit dem irdischen "Heimathafen" geben, je größer die Entfernung je "langsamer" wird die Kommunikation, was den "Trennungseffekt" und das Verspüren der Ferne fördert. Schließlich, auf dem Mars, wird ein lichtschnelles Funksignal bis zu 20 Minuten lang zur Erde unterwegs sein (da der Mars sich immer weiter entfernt), die Antwort wird nochmals 20 Minuten dauern. Ein Herummanövrieren wie in beliebigen SF-Filmen gibt es wegen Treibstoffmangel nicht und die gravitativen "Schleudereffekte" die heute schon für Raumsonden in den interplanetaren Raum hinaus genutzt werden stellen einen wichtigen Faktor für die Reise da (bereits bei der Apollo 13-Panne wurde damit gearbeitet). 

Persönliche Dinge, die dem Menschen wichtig sind, um ihn zu erinnern, was man auf der Erde zurückgelassen hat und was einem Kraft geben, wieder ein Ziel vor Augen zu haben, dorthin zurückzukehren, wird man noch weniger mitnehmen können als z.B. bei Shuttle-Aktivitäten. Das Gewicht geht immer auf Kosten des Treibstoffvorrats, also muß aus ökonomischer Sicht alles eingespart werden, was Gewicht mit sich bringt. Hinzu kommt ein anderer gewichtiger Faktor: die kosmische Strahlung, der schon Airline-Piloten mit langer Berufsdauer ausgesetzt sind und deswegen ein erhöhtes Krebsrisiko erfahren. Ein interplanetarisches Spaceship muß "gepanzert" sein um die kosmische Strahlung möglicht weitgehend abzuweisen - dies bedeutet erhebliches Zusatzgewicht, welches an anderer Stelle eingespart werden muß. Dann die langjährige Schwerelosigkeit, die Knochenschwund und Abnahme der Muskelmasse mit sich bringt. Und auf dem Mars selbst muß man vorher schon unbemannt und ferngelenkt eine aufwendige Überlebenseinheit für die nachfolgenden Mars-Pioniere absetzen, in welcher die Astronauten vielleicht zwei Jahre lang aushalten müßen, leben genauso wie beim Raumflug aus wiederaufbereitetem Abwasser, welches bis zur Trinkwasserqualität wieder und wieder recycled wird. Richtiges Waschen gar Baden oder Duschen wird es nicht geben, dies kann man sich gleich abschminken und als Mars-Astronaut wird man keineswegs besonders empfindlich sein dürfen. Natürlich wird es auch nur die bekannte Astronautennahrung geben. Die Eigenversorgung z.B. durch ein kleines Gewächshaus an Bord ist nach wie vor problematisch, da nicht gelöst. Entsprechende Versuche auf der MIR scheiderten schließlich. Allein deswegen sind stabile menschliche Beziehungen die Grundvoraussetzung für dieses kosmische Unterfangen, welches auch für die Besatzung recht eintönig wird, da es an Unterhaltungsmöglichkeiten fehlt und keinen Nachschub gibt. Und einfach auf Eis legen, wie es in manchen utopischen Filmen zu sehen ist, kann man Menschen bisher nicht. Bei Apollo wurden USAF-Piloten genommen, die eigentlich nur eine abgewandelte ballistische Rakete richtig steuern mußten, aber für den Mars-Flight sind ganz andere Voraussetzungen notwendig, allein schon wegen den auf dem Mars zu erfüllenden wissenschaftlichen Aufgaben und Analysen, die man dort vor Ort vornehmen werden müßen. Wie auch immer, die Mission zum Mars wird ein gewaltiges Wagnis sein und ein ehrgeiziger Plan am Rande unserer technischen und menschlichen Möglichkeiten, der keinen Spielraum für Fehler zuläßt. Mancher Weltraum-Wissenschaftler hält es für keine gute Idee mit den heute möglichen Technologien (in allen Belangen) zum Mars aufzubrechen, dann aber wird sich dieses Unternehem noch geraume Zeit hinziehen und ob es die gegenwärtige junge Generation des blauen Planeten erleben würde steht wahrhaft in den Sternen. So gesehen sind die phantastischen Grafiken und Animationen der NASA, die wir heute sehen können, vielleicht weiterhin nur Träume. Natürlich, der Mensch wird immer seine Grenzen erweitern wollen, aber es sind ihm wahrhaft kosmische Barrieren gesetzt.

Ende